Achtgeben,
das neue Highfiven.
Ein Freund1

1 — to:nulleins

Sag mir, wo ich beginnen soll!

Es weht,
braunes Laub auf's Parkett im Wohnzimmer,
wir sehen uns an.
Es sammelt sich und legt sich nieder.
Laub
das trocknet und eigentlich ganz schön aussieht.
Die Tage kürzer tragen,
unsere Haut brennt noch nach.
Manchmal,
wenn ich die Wohnung lüfte, tanzen wir.
Ich muss dann sehr aufpassen,
dass ich nicht auf eines der Blätter trete,
barfüßig, sonst zerbröselt es.
Aber selbst die gebrochenen Blätterstücke tanzen im Kreis,
wenn man genau hinsieht.
Uns gefällt das.
Ich werde weiter Laub sich sammeln lassen,
Haufen bilden oder Banden,
und über Winter überwintern werden wir.
Urlaub unter Laub.

Einfach hören.

Sie fingen an, die Obstkisten auf der Suche nach Vollkommenheit zu durchwühlen.

Den Arm mit Birkenhaut tätowieren lassen. Pfingstrosenbrustkorb. Spätfröste. Das Kleid lüpfend drehen. Diese Gänsehaut kurz vor den Warzenhöfen, ohne sie zu sehen. Ich sehe nicht nach. Das ist das Spiel. Ich ahne.

Unter Strommasten, in der verwinkeltsten Gartenanlage der Stadt, an den Rapsfeldern (Hellgelb messen), die Pferde wiehern und die Kleingärtner reden von Regen.

Wärme, die das T-Shirt durchdringt und nicht die eigene ist. Wahrscheinlich ist es das.

Manieren, ein Sturm, sind mit Schiefer gedeckte Fassaden. Backsteinbauden. Sie folgen einem treuen Muster, das, jederzeit, im Rahmen, neu gelegt und formbar ist. Ein Federkleid bauen, eines dass einfärbt, Farbübergänge so geschickt bildet, erst möglich macht, und aufplustern, mit einem Schütteln sich aufbauschen, ausatmen, wieder sortieren. Ich wüsste nicht einmal, welche Farbe ich wählen würde. Alle Farben, alle Samt.

blickdicht

Du solltest es gesehen haben, am Blick meiner Augen. Du solltest meine Stimme drehen hören als es darum ging.

Die meisten Menschen sehen konzentriert schöner aus als verträumt. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich mich zuletzt rasierte. Wenn ich meine Augen verrenke, kann ich es vielleicht sehen? Nein. Aufblicken vom Nachdenken, ein Vogel sieht dich ernst an. Jemand fragte mal: »Haben Sie sich schonmal grundlegend geändert?« und ich antwortete leichthin: »Nein. Obwohl, ich kann es gar nicht sagen. Das muss ein Außenstehender beurteilen. Soweit ich weiß, noch nicht.« Ich glaube, ich ändere mich gerade.

Sieh nach hinten, wenn du gehst.

Meinen ersten Kuss, meinen ersten richtigen Kuss, empfing ich nicht, ich gab ihn und bekam so vieles. Ich schrieb ihr einen Zettel, ein Gedicht, auf dem ich ihr vorschlug, zur Güte, ihr Gesicht zu küssen, die Stirn, die Wangen, die Nasenkuhle, das Kinn, die Lippen. Es war eine Bitte, ein Werben, ein Hoffen und ein Bangen, Minne mein, sie erhörte mich, trotz Freund. Unter der Brücke sollte es geschehen, an der Trauerweide, hinter ihrem mächtigen Stamm versteckt, fremden Blicken entzogen und im Angesicht des ewigen Wasser. Zittern vor Aufregung und endloses Herantasten. Ich wollte nicht dass es aufhört. Ich weiß heute noch wie ihre Lippen schmecken. Auch als ihr Freund Wind bekam, uns erwischte, mich niederschlug, das Blut floß, meins, ich mich gar nicht verteidigen konnte, er wie aus Zufall in meinen Ellenbogen lief, ich erst recht abbekam, zitterte ich noch und schmeckte sie ganz deutlich. Wir waren elf Jahre alt.

Aus Strandland.

Sand, scharf schneidende Körner, auch perlrunde, die, treffen sie denn des Läufers Waden punktgenau mittig, auf der Haut, auch die unter der Haut befindlichen Muskulatur, eben noch gut und gerne und unbewusst benutzt, weil gerannt, schnell und dringlich, einen kreisrunden Einschlag verüben, Wellen Haut, und Muskulatur, breiten sich aus und verschwinden leise plätschernd im Surren, hundertfach. Der Mann steht am Meer. Die Hosenbeine hochgekrempelt. Das Hemd in der Hand ist dabei in eine der hinteren Hosentaschen gestopft zu werden. Flatterhaftes T-Shirt, steht schräg. Kein schwerer Atemzug entfleucht ihm. Der Mann und die See sind bekannt.

Wie schön sie ist, wie schön sie sind! Und doch stehen sie: er, die See — der Sand fliegt. Wie zu verschenkende Katzenkinder aus der Hand gerissen werden, so nimmt sich das Land das Nass. Die See sagt gar nichts. Ruhige, gekräuselte See. Sand dringt tief in dich. Körnerhorden, vom Winde aufgestachelt zur Rage, verschlingen dich, scheinbar gleichgültig singen sie, versinken sie, bauen Türme, Matschburgen unter Wasser, deines. Die See verteilt so gut sie kann und versagt, erst zentimeterweise, schließlich Meter um Meter. Er wird bei ihr sein, kaum wahrnehmbar, tausenden winzig kleiner Steinchen widerstehen, bluten vielleicht.

»Das Dünengras wird fliegen, sich anpflanzen, Erde, schwarz, vom Hinterland, fest und saftig, wird sich setzen. Traktoren werden kommen, denken, ich sei eingeschlafen, werden traktieren, säen, nur das Beste wollen, das Gegenteil erreichen. Deswegen passe ich hier auf. Notfalls mit bloßen Händen.«

lalala (Text vergessen).

Die Augen schließen, Wasser sehen.

Der eine, durchaus alt zu nennende Mann im Freilichtmuseum am Hafen, der, wenn man ihn ließe, mit dem Blechreifen spielte wie ein Kind, stundenlang. Ein kleiner Junge war er, in seinen Augen weithin sichtbar in sich, sein Körper, wohl gezeichnet vom Alter, gewann seine frühere, längst durch Ausprobieren und Neugier erlernte, benutzte und verbrauchte Spannung zurück, als er, der alte Mann, den Ring lachend über das Kopfsteinpflaster führte, er nicht davon ablassen konnte, um zwei, drei, vier, fünf Häuser lief, den klirrend lauten Ring wie einen jungen Hund bei Fuß - und alles schepperte. Lachfalten, seine die meinen.

Lindgrünes Meerwasser. Schaumkronen gestreift und vom Wind zerfetzt im klarsten Weiß, das man vor dunkel drohenden Wolkenbergen hergeben möchte. Eine Wäscheleine flatternd unbekümmert lachender Sommerlaken im drohenden Unwetter, so Menschenkinder sind wir.

Glitzerndes Wasser im Hafenbecken von Enkhuizen. Alles was er berührt wird zu Gold.

Die See von bleierner Farbe und trotz der Angst, badete ich, erst zögerlich, dann aufgefordert ehrlich nackt und bloß, überzöge mich ein grauer Schleier, kalt und unklar und frierend bis ins Mark, ist dermaßen unbegründet: Wenn jemand fragt, ich malte Wellenlinien in die See, angeführt vom vorsichtig tastenden Zeigefinger. Das Wasser, kippte ich meinen Kopf außer Kontrolle kopfüber in den Nacken, Wasser lief mir in die Nase, in die zum zufrieden schmunzelnden Lippen, zwischen die Zähne, in die Mundhöhle, Salz, Blut pochende Schläfen — ich ertrank im Warm und Grau, Warm und Grau und lachte dabei. Ernster Seemann, von Rechts wegen.

Wenn alle Autos gestohlen, die Abendbrotszeiten vergangen, der Hunger groß und das bisschen Barfuß nichts wert sind, läufst du garantiert. Es sind deine Grenzen! Balancier auf ihnen! Seltsame Liebe anderer Leute Wohnung. Backsteinstapel, weiß gestrichene schmale Fensterrahmen, riesige Fensterscheiben auf denen steht: Eintritt frei! Kleinste Räume, jegliche Nuance Detail sitzt gefühlt. Fensterbretter zum Draufsitzen, zum Passanten auf Bauchhöhe beobachten, zurück in den alten Tagen, Plattenspieler aus Holz, sparsam, doch pointiert dekoriert. Ausreichend, die Note, kommt mir in den Sinn.

Schilfkolben
Zugvögel
barfuß
Wellenbrechen

Sollte ich jemals ein Boot besitzen, darf es nicht schön sein. Schöne Boote sind hässlich. Gib sie mir abgehalftert, mit abgeblätterter Farbe, zerschlissenem Segeltuch und einer heiden Arbeit. Dann werde ich vielleicht zufrieden sein, abgearbeitet am Abend im Hafen, die alte Sonne betrachten, die Hände rissig und aufgequollen groß, und atmen werde ich, wahrscheinlich. Wasser trinkend. Salziger salzender Fisch und tiefes Betttuch.

Porträtiere meine Prinzen.

Zukunft trunken durch die Städte ziehen sehen, Vergangenheit ist niemand. Meine liegt im flachen Wasser des Stadtflusses. Ich kenne ihre Namen nicht, ich nenne sie Flußgras. Es winkt. Ich winke zurück, mit Lachfältchen. Enge, gewundene, alte Gassen, junge Schwalben pfeffern da durch. Gehören ihnen. Es flirrt. Im staubigen Park sitzen sie und trinken und spielen und unterhalten sich. Ich möchte verweilen und weiß doch, ich besitze diese Schuhe die nicht still sitzen können. Königin-Luise-Gymnasium. In der Aula geöffnete Fenster. Weiß die Rahmen. Violinenstriche, kaum eine Melodie und wenn, nur eine kurze. Die begrünte Straßenbahnschiene zwischen meinen Beinen, den Kopf im Nacken, die Handkante am nutzlosen Schild des Caps, salutieren so dass es niemand sieht. Um im Springbrunnen zu baden bleibt keine Zeit, obwohl sogar meine Unterhose ginge. Ich sehe das Blitzen in den Augen der Tochter. Es reizt sie mehr als auch, wie mich. Die größere, raupige Gruppe, deren Teil wir sind, wir würden sie schon wieder finden. Vielleicht auch nicht. Wäre das wichtig? Im fallenden Wasser Tanzen gehen ist es. Blühende Kletterpflanzen aus Strick um all zu gleichgültige Laternen. Essen kümmert kaum. Gespräche, diese elenden Gespräche allenthalben. Keiner spielt jemals Musik um das Gespräch zu ersetzen. Das möchte ich: Dialoge aus Musikstücken. Ich schreibe: Im lautesten Biergarten der Welt Schwalben zusehen.

Je betrunkener, rotgesichtiger der Biergarten wird, desto weniger wird meine Lust mit der volllippigen, aber dezent agierenden Frau hinter mir zu schlafen. Ich ziehe mich zurück auf das Windsonnengemisch [1:25] und benutze meine Hände, um nicht zu zeichnen, bastele ich mit der Tochter Armbänder. Möchte doch nur Auto fahren, mit offenen Fenstern und Musik hören, was gleichzeitig gar nicht geht. So ein Abend war das, barfuß auf Beton, zur Nacht.

 

Tagträumte lila monochrom. Genügend Nuancen um Einzelheiten zu differenzieren. Ein Pferd mit seinen schönen großen Augen sah mich an. Nicht endender rehbrauner Augenblick, ich wusste, es war weiblich. Diese Augen, und der Kopf ward der einer Frau.

4 24'15

folgendes:
Trabantenstadt. Vorgärten, Löwenzähne, Friedhof, Kastanienblätterschirme, Datschen, staatenbildende Stadtteile. Renn, Luzifer! Kleine Fluchten. Kurzbehost, meine Hände, heiß wie ehedem, ich muss mich festhalten, so schnell geht das Frühjahrskettenkarussell. Die Vertrauen erweckend große Hand des Draußen bietet sich an. Haut spricht. Atem geht ein, aus. Lenden feuern. Jeder hört uns. Niemand spricht. Körper in der Sonne wälzen. In die Arme von Auskosten legen oder einen steifen Stamm im Rücken. Der Sieg schläft unterm Apfelbaum.

Und Knutschen bis wir müde sind.

 

Sie hält die Öffnung ihrer geschlossenen Lippen in einfallendes Sonnenlicht als ob es getrunken werden könnte.

piekfein

Spatz, Blaumeise, Rotkehlchen1, beide, baden im Teich hinterm Haus ihr Gefieder. Es spritzt, wirft Ringe in die gespiegelt betongraue Einheitstragik. So sehe ich mich nicht. Was weiß ich schon? Ein Mann weniger Worte. Etwas Nichts, mehr noch, weniger davon. Genaugenommen Abwiegen, geschätztes, dieser Singvögel. Ziehe ich mich an oder lasse ich mich liegen? Ich laufe. Geschniegelt und gebügelt, was sinnlos ist, weil mir unwirsch die Haare aus allen naheliegenden Poren schießen. So lange laufe ich, der Bäcker liegt schon längst im Bett. In Gedanken träumen. Es gelingt. Ich esse anständig und ausgiebig karg, einfach ist es nicht. Fragt man mich, antworte ich höflichst, kurz, auf Nachfrage/bei Interesse gerne tiefer gehend. Ständig bin ich nicht bei der Sache. Lenke ein, ständig mit Sachen beschäftigt sein.

Ende November und ich trage keinen Schal. Nicht mal den Ansatz eines Schals, eine Masche des rotens Fadens eines Schals. Wo geht es hier nur hin? Ach, egal. Weiter, usf.

1Rotkehlchen, das — liebevoll beschönigend für eine dermaßen unter Erregung stehende Frau, dass ihre Kehle nur so mohnrot knallt