Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?

Basiert auf Kirby und

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?

ENT____FACHT.

Irgendwann ist heute.
Nachacht, aller Tage Abend.
Dunkelblau gewirktes Kopftuch der wildrot geschminkten Diva Nacht.
Aussichtslos sie davon abzubringen.
Es ist April.
Lenden feuern.
Keimen.
Draußen sind überall und ständig Vögel.
Wenige Menschen trauen sich.
Sie sind richtiggehend aufgeregt.
Und mit den ersten Blütenblättern fallen die Kleider, im Zweifel.

Ihrer Zwei.

»Gehen wir ein Stück?« Weiter, meinst du.

Ein Zaun, eine Obstwiese, dein hochgezogener Rock, rubinrote Lippen, dein fester Druck. Platzier mein Gesicht nur. Meine Zunge gehört der Nacht. Die inneren Schamlippen küssend, gehst du fast in die Knie. Ich hab dich, lass dich, teile saftige Pfirsichhaut, an und für sich Haut, zwischen deinen, meinen Beinen, mit rauer Fingerkuppe, verkupple. Drück Stempeldaumen auf papiernen Widerstand. Niemand läuft.

Flieg, Junge, flieg!

»Letzteres.«

Zugegeben, einerseits gehe ich dem anderen Leben - dem kleinlichen, dem der veruntreuten Menschlichkeiten, dem furztrockenen Boden der Tatsachen, nicht zu verwechseln mit der strahlen Offensichtlichkeit, dem Bettlakenweiß der Logik, dem Leben aus Floskeln und unernst gemeinten Höflichkeiten, der Kurzangebundenheit, man selbst der Hund vorm Supermarkt - aus dem Weg wo ich nur kann und sage nichts. Ich kann nicht oft. Es ist ein Zwang und ich (bin), wie jeder, Ausführender und leide — ich bin verantwortlich. Andererseits: eine Häuserfront, ein Farbenrausch, eine Frau mit kurzen Haaren. Eine Frau, die ihre Finger abspreizt, die Hände abstützt, wenn sie steht, als trüge die Luft sie, als beinebaumelte sie sitzend auf unsichtbaren Balken, oder als tanzte sie immerfort, usf.. Es reicht, es riecht ein wenig modrig wenn Mutter Natur sich aus dem Winterschlaf erhebt. Das ist ok. Ich öffnete das Fenster zur Nacht, obwohl du eben erst deine Ärmel hochgekrempelt hattest. Ich muss meine Hemdsärmel ebenfalls hochgekrempelt haben, unbewußt, um dich zu spiegeln, jedenfalls ich fror. Warm war der Augenblick. Es roch herrlich jung.

»Letzteres.«, sagtest du erneut und ich wusste gar nicht wo wir war'n.

In Kooperation mit einer Vierjährigen.

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?

Anbeginn.

Poliklinik Mitte, ich wurde mitten in einem Wald geboren, gezeugt.

Wände halten rein gar nichts aus. Beschreibt man sie, zum Beispiel, geben sie nach und hinterlassen einen Eindruck, der so nie in den Worten stand, die dort jetzt mit ihren Pranken prangen. Zeichnen ist mir lieber. Hingegen. Zeichnen ist Geschenkband, sinnlos vergeigtes, nur neigt das Band zuweilen zu Verwicklungen, verwirrt und gehört sich nicht reflektiert.

Ein Wald Menschen, sofern die Sonne den Winter aufzubrechen vermag, fällt auf die gefegten Straßen. Alles von oben. Wir gehen in den Garten. Ein Wind weht bestimmt ohne Hast durch das noch junge, aber nicht mehr aufzuhaltene Grün der Bodendecker, Sträucher, selbst gestrig gestrenge Bäume schlagen aus. Noch und nöcher nölt der Menschenwald: als ob die Elefantenhaut vergessen könnte wie warm und weich Lind mildert, das T-Shirt in der offenen Übergangsjacke flattert, grünt gar, wie gescheiteltes Frauenhaar im Licht wirkt, zärteln lässt. Ich muss mich festhalten, so schnell geht das Frühjahrskettenkarussell. Sommersproßen anziehen, Himbeermünder schminken, frisch geschlüpfte Turnhalbschuh bekleiden, sich gegenseitig Löwenzähne zeigen. Ein Recken von Anbeginn an, eines mit Händen in den Hosentaschen, mit tief Einatmen, mit nun leichteren Schulter heben — es ist ein »Es ist ein Einfaches.« flüstern.

»Ja, wir kommen alle mit raus.« aus dem Fenster runter brüllen.

mitte

Du liegst im sonnendurchfluteteten Zimmer, nackt, mit nichts als der Gardine bekleidet, nackt und so offensichtlich von geiler Gier verletzt, dass ich es sehen kann. Ich seh dir zu. Die Scham tropft auf den Teppich. Es sieht wie Tanzen aus, dein Becken tanzt, reibt rein, deine Nippel zwischen deinen Fingern. Ich seh dir zu, still verschränkte Arme. die unbenutzte Stimme sicher rau. Dein Hals überstreckt. Dein Kehlkopf rot, vor Erregung, wie deine dampfende Spalte - vermutlich. Orangerotes Licht löscht dich nicht. Offene Lippen atmen knisterleise. Die Finger fest in der feuchten Ritze verkrampft, hebt sich dein Becken, dein ganzer Unterleib. Nur die Schultern liegen noch auf. Die Sonne mit ihrem spitzen Strahl steckt tief in dir. Ich komme über dich, küsse das Schambein, dein Handgelenk, packe die Hand. Sie gehört jetzt mir. Fester verkrampfe ich dich, deine kleinen Finger in dir, ficke dich mit deinen gierigen kleinen Fingern wie es mir beliebt. Deine Mund an meinem Hosenbund. Er küsst nicht, er sucht nicht einmal, er atmet heiser aus. Deine Hand gehört mir.

angelt (Wald)

Kopfpflaster.

Egal wo ich meinen Bleistift, meinen Fuß aufsetze, meine Gedanken ansetze, Schweifen einseife, abzuwaschen versuche oder es lasse, es kommt Sehnsucht heraus. Unbeschwehrt durch den Wind, gebietet die Höflichkeit. Schüchterne Gesten der Nacht gegenüber. Ich finde ein scharfes Foto mit etwas Glück. Erste Flecken Erde, ff. Wie Unrat vorkommen, so verkommen.

Weite Straßen — stille Liebe
Feuerwerk wirkt. Der Hof abseits des Dorfes ist auf gepanzertem Eis gebaut. Schnee, über den langen Winter hinweg stürmisch und bizarr verweht, teils geschmolzen, tagsüber oder nachts vereist, hindert uns nicht, die raue Herzlichkeit des Gastwirtes in Empfang zu nehmen und sogleich, geborgen im Holz und den kleinen Fenstern des Hauses die gesuchte Behaglichkeit und Stille zu finden. Wir werden nicht scheitern, doch erst müssen wir schlafen.

Fort
Ein Fort (französisch für stark, von lateinisch fortis) ist eine selbständige permanente Befestigungsanlage.

fort
Adverb
Bedeutungen:
[1] weg von einem Ort
[2] weiter, ohne Pause, ohne nachzulassen

Zu Fuß schneidet der Wind uns Gesichter und Hände auf. Himmelblaue Weitsicht lacht hinter der zum Blick erhobenen, schützenden Hand. Wir sind froh als wir im Windschatten der Anhöhe verschwinden können. Abstieg auf harschem Schnee und in Schlangenlinien vorbei an Kleingärten, die, südwärts gelegen, im Sommer sicher ein Sonnenbad, eine kühlend nasse Zinkbadewanne und Faßbrause aus Flaschen bereithalten. So sind wir uns einig, erlaufen uns die Gegend, verlaufen uns mit purer, guter Absicht, laufen uns frei — kaum einer spielt ab. Mit denjenigen, wenigen, die man trifft, über die einfachen Dinge sprechen: Wie ist die Wetterlage im Seitental? Die Wegbedingungen? Hat diese oder jene Gaststätte auf? Der Wasserfall ist komplett vereist, den müsst ihr sehen! Raues, einiges Lachen mit Fettcreme im Gesicht.

Derber französischer Camembert mit junger grüner Gurke. Ein kräftigender Tee.

Nachts reckt und streckt sich das alte Haus wie ein altes Weib im Bette. Der Kirschbaum ist still, nur die Birke flattert im nahenden Rosa des nächsten Schnees. Einfaches Leben ist einfach.

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?
[Fenster zum Tag]

Der Wirt sagt, der Wolf ist wieder mit dem Ostwind gekommen. Die Birke pfeift. Wir spalten Holz. Die pflanzlichen Reste der Mahlzeiten teilen sich gerecht die Ziegen und das Hausschwein, je nach Gusto. Ausladender Wandern. Die Beine sind wie ein starker Wein, gierig geschlürft, fest und schwindelig zugleich. Einigen Wegen dennoch ausweichen, sie sind zu stark vereist. Wir könnten den Frühling dorthin tragen. Weidenkätzchen im Gepäck. Ich angele Gelegenheiten.

Dresden ist uns einhellig zu groß, zu weitläufig für diese Jahreszeit. Dresden ist stattdessen eine Sommerstadt.

Absolute Stille erdrückt und ängstigt und befreit zugleich. Das Weiß der winkenden Birke starrt und strahlt gleich den Sternen befestigend. Vielleicht bin ich auch nur ehrlich müde, geistig ausgeschlafen, weil freigelaufen und gut gesalzen, doch karg gegessen?

Im Schlafanzug zusammen mit dem Wirt eine eingeklemmte Ziege vorm Erfrieren gerettet.

Kilometer salzweiße Straßen. Letztes Jahr fuhren wir in die einbrechende Nacht und auf den Hügeln brannten die Osterfeuer. Sie trugen uns durch das Land — das vermisse ich jetzt.

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?
[Schnee aufbrechen, mit Prisma.]

»Ich hoffe, dass sie gut schläft.«
»Ich wünschte, ich könnte mir wünschen, dass es so ist, aber es geht nicht.«

2

pp.

Rausch oder Rücksichtnahme?

Der Vollständigkeit halber: die halbe Nacht liefen die Sterne wie weißes Wasser das nachtschwarze Fenster hinab. Mohnblum'nrote Lippen, einfacher Schlaf.

Die Tage, mit ihren glühenden Gesichtern, auch langsameren Wolken und feuchten Augen, sprich tagelanges Fokussieren auf Fixsterne, täuschen sich nicht. Nur am Rennen. Was ist dir? Täuschend echte Simulation ernsthafter Teilnahme an Ratlosigkeit zum Thema Leben. Wobei, ich wüsste genau, ich halte das Feuer in der offenen Hand. Doch Pflichtbewusstsein nennt mich nicht umsonst respektvoll pflichtbewusst. Rastlos scharf schneidender Wind streift durch die Wohnräume, die zwar mir, aber auf den Berg der aussortierten Sachen gehören, die auch gerade nicht passen. Gardinen wehen. Weil gerade nichts richtig zu mir passt stehe ich vor dem Spiegel. Knittern erwünscht? Halbnackt, halb hingerissen in jedes Stückchen Sonne legen, rennen, um ihr nah zu sein, auch dort, wo sie verbrennt, untergehen.

Spärlich Sperlinge.

Angenommen wir tapezierten unsere Räume mit mahnend weißen Ideen, namentlich A4-Blätter, so wie uns der Sinn steht, kreuz und quer, überlagernd, wie das städtische Leben eben so blinkt und pluckert, auch die Fenster überklebten wir, so dass die Sonne sich schon ein wenig mehr Mühe geben muss, wie wir uns Mühe geben müssen. Angenommen wir tapezierten unsere Räume mit leeren Blättern, wir hätten immer Platz zum Zeichnen oder schreiben oder einfach nur die Sonne berühren, die, gefangen in einer Fläche, tastbar wird. Und wie sie schmeckt.

Das TSCHIRP frisst Könige. Ich bin keiner, weit davon entfernt mich daheim und wert zu fühlen. Das ist gut. Bonbons verschenken und nicht fragen, sondern sagen: »Kennst du diesen Augenblick, wenn aufgeregt sein Angst wird und man umdrehen und heimgehen oder fliehen möchte, obwohl es etwas Schönes ist und man nur einen Schritt machen müsste? Jetzt ist so ein Moment.« Umdrehen und den ersten Schritt tun. Schlagen die Knospen wie Flügel aus bin ich übers Land. Verstreuen und verstreut werden. Keine Ahnung wie dieser Weg nach Hause führen soll.

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?