Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?

Basiert auf Kirby und

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?

Schleifen binden lernen.

Gebiert Selbstvertrauen: Können. Doch von Anfang an.

Damals, noch davor, ich kannte kaum Klettverschlüsse und ging dennoch den größten Teil der braveren Tage zu Fuß. Stand ich also gemäß sozialistischer Forderungen bereits im Kindergarten meinen Mann, so stand ich meist schön dumm da, nämlich mit offenen Schnürsenkeln. Das war nicht nur nicht gern gesehen, auch ein »Gern geschehen!« ließ sich nicht oft vernehmen, wenn mir, mal wieder, die Schuhe gebunden werden mussten. Einen Sonderling nannte man mich. Ich verstand Schmetterling. Nicht weiter verwunderlich, meine Eltern versuchten, unabhängig voneinander, mir schon längere Zeit das Schleifen binden zu lernen.

Vatis Weg:
Beide Bändel sind über Kreuz zu nehmen und straff zu spannen. Die Spitze des Rechten ist abzuknicken und unter das entstandene A durch zu führen. Festzurren. Der Daumen und der Zeigefinger jeder Hand hat die unter Spannung zu haltenden Bändel zu einer Schlaufe zu bilden, die wiederum überkreuz gelegt vom rechten Daumenzeigefingerpaar gehalten werden sollen. Ist die korrekte Länge und Ausgeprägtheit der Schlaufen gegeben, hat der rechte Mittelfinger die rechte der gekreuzten Schlaufen unter das von beiden Schlaufenanfängen gebildete Kreuz zu drücken. Rausziehen, fertig.

Muttis Weg:
Ich müsse einen Kinderknoten machen. Den Normalen. Festziehen nicht vergessen, sonst könne ich nochmal von vorne anfangen. Links ein Schlaufe bilden, diese halten, mit der rechten Hand das rechte Bändel um die gehaltene Schlaufe drumherum wickeln und dann unten durchziehen. Ein bisschen schön ziehen wäre noch gut. Fertig.

Ich lernte beide Varianten, und binde meine Schuhe, je nach Gusto, nach der einen oder anderen, doch immer einen nach Vatis und einen nach Muttis Variante. So kann ich sie nie vergessen. Klettverschlüsse mag ich bis heute nicht.

Zwei Schwalben machen einen Sommer.

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?

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Ich gegenwarte.
Während ich auf der Couch das Heil des Einschlafens suche, ein kurzes, ein erquickendes Nickerchen im blassen Dunst der Vormittagssonne, im Frühjahr müde, noch nicht stark genug für russischen Tabak, für türkischen Tee, für die französischsprachige Musik des Sommers, ergießt sich ein türkisfarbenes Meer wie Treibholz in ein rot, von der tief stehenden Sonne, gefärbtes Kieferwäldchen. Weiße Schaumkämme, tiefgrüne Kiefernköpfe, zinnoberrote Stämme. Während der schwarze kleine Tod mich holt, die Nacht vergessen lässt, stehe ich an der hellstblauen Wand eines - DUSCHEN HERREN | DUSCHEN DAMEN - einer Freibadwand. Woher nur? Kontrastiere mit Augenringen und festen Augen, die, halb im Schatten gehalten, genau und ernst und neugierig beobachtend, mit bereits brauner Haut die Wand, somit die Leichtigkeit der Szenerie. Während also Wellen zwischen den Bäumen spielen wie kleine Kinder, wie ich in Kindertagen, in den Obsthainen, die weißen Laken im Winde der Frischluft gefluteten Wohnung flattern, als hätten sie was zu sagen, wir im Zug sitzen, nach Moskau, die Hitze flirrt und die Sonne schlägt auf uns ein, wir reden, du redest: »Nutz alle Zahlen für mich! Beziffere mich, meine Antworten!« , es tagt, es nächtigt, ich süßen Kaffee koche, aus steinernen Krügen Brause saufe, wir verschütten, sind wir schon lange, längst da. Das sind alle Sommerfarben die ich kenne, unsere - soviel ist klar.

Ich wache auf.

Geschichte selber machen.

Fenster in Tanger, ggü. öffnen.

ZIGARETTENRAUCH + rosa Scham

»Leg Rouge auf!«
»Sieh mich an. Die grelle Nacht da draußen gehört überzeichnet, überfrachtet.. Die schwarzen Nylons.«

Geschlossenes Fenster zur Nacht. Die halbdurchlässige Membran, die die Stadt zwar einlässt, ein, zugegeben, geschöntes Stück der Nächtlichen, doch mich nicht ausatmen lässt, den Blick verliert, stattdessen spiegelt, vorhält und anklagt — zerschlagen. Zähes Blut.

Schwarze Rappen schustern die Straßen, unsere Turnschuh der Citroen DS, abgedunkelte Scheiben, tief und langsam kommen wir in die Stadt, geschultert die Schuld, geschriene Lust, Undefiniert treibt uns, scheppert vom Tonband, hier: Gier geflüstert. Heben wir die Augen, Mitternachtslenkung, wahres Grün/Blau. Der Beton ist grau und warm. Nächstes Haus. Einhundert Highways, schnurgerade Straßen kurven. Die weiße, volle Blüte, Stolz dein Aufblicken, ungebrochen Schlüsselbeine. Leichter Schimmer Tanzschweiß im Laternenlicht.

»The Lord knows best
When it comes to you,
And you know well that I
don't give a damn about anything but
you.«
- Dirty Beaches

Kirschblüte.

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?

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3 Ein Anderer.
Du bist einfach nicht aufgestanden aus diesem Weizenfeld, du warst tot und ich dachte du wärest glücklich.

Wenn Sommers der Morgen graut, die Vogeluhr seit drei Uhr fuchtelt, du dich umdrehst zu ihr, das schwere Licht und der leichte Wind ihr das Haar zerzaust hat, du ihre Strähnen ordnest, hinter ihren Lider sehen möchtest, mit ihren Augen die Welt erklärt bekommen, sie küssen, aber nicht wecken willst, rauchst Du noch eine, bläst handfesten Rauch auf flüchtige Sterne, drehst dich mit ihnen und in Gedanken an dein Glück, mit ihr, auch um.

»Wer löffelt wen?« fragtest du scherzend, genau wissend und handelnd, wer der Schutzbedürftigere ist.

Du hieltest gut fest. Feuchtigkeit drang in dich ein, als du ins Feld liefst, als du eine Schneise liefst mit Händen so weit und sanft und mutig Weizenwellen schlugst, als du Haken ranntest, als ob der Hase hinter dir her ist, als du dich bücktest, atmend, die Nasenflügel weit, als die Bläser eine Ska - Kapelle hätten aufspielen müssen, um deine Freiheit abzubilden, die Dramatik dahinter, als ich deine Gier sah und Zuneigung.
»Fester, Liebe!«
»Sonst nichts möchte ich haben.« kann ich meine Stimme vernehmen und wie vom Selbstverstand erzählst du mir dein Leben wie einer, mit dem es zu Ende geht, der nichts mehr zu verlieren hat, weil all dies verloren ist, mit Inbrunst lässt du mich hören, lässt mich silbergraue Wolkendecke sehen, lässt nicht zu, dass ich vergesse: Wie sehr deine Augen grün sind. Wie wichtig das ist, und ich verstehe jetzt deinen Ernst.

Eine Nacht um berechnet zu werden.

2 Randlos Kopfmensch.
Wolkenüber. Leichter Leiderkopf geradeaus, direkt Anhimmeln ausgesetzt. Händehosentaschenhände wären was, geht aber nicht: Alles sitzt schamlos nichts denkend für einen Moment auf dem Bordstein. Ich bin da nur hineingeraten, muss ich lächeln. Vogelleicht setzt du dich. Deine bestrumpften Hosenbeine, deine wärmender Geruch, dein frotzelndes: »Das ist mein Platz!«. Meine Lachfalten ergeben sich Dir, das Augenlicht trotzt dem Unverschämten und bleibt mit mir sitzen. Auf meinen Schoß, die erste stolzen Strahlen des jungen Jahres mir stehlend, mit Zunge küssend, reibt sich deine Scham, gewinnt keiner Zentimeter, ohne sie sogleich abtreten zu müssen.
»Du bist nicht leicht. Das gefällt mir.«
Ist das Stolz, Freude oder Gewissenlosigkeit, die mir spielend vorkommt? Nein, aus deinen Händen tropft unwissende Schüchternheit. Die Meine? Du zitterst fast, obwohl uns alle Welt beobachtet, leicht oder zuvorkommend Bestes wünscht und gedanklich in eigene, längst erlebte Liebeleien entschwindet.
»Du fürchtest mich getroffen zu haben?« Den Einen, der die Eine traf. Die sich zum ihm setze, wie an einen ganz normalen Tag. Eine Nacht berechnet zu werden.
»Ich bin sicher.«

Ich kann Dich reden hören zwischen fixen Blicken. Worte treffen mich wie reflektierte Haut, und plötzlich laufen wir - fast kitschig - wie blöde rennend durch Straßen, Zug um Zug. Es regnet endlich kühler als warmrote Punkte von innen nach außen hin das Café beschützen. Hochgestellte Stühle und eine müde Belegschaft, die vorbereitet, wischt und wienert, frischen Fisch anbrät, weil Du Salziges vorzögest. Redlicher Schneeregen auf dem Plastikeis, es tropft, weil es schmilzt.

Hallo,

realisier' dass Realität nur ein Traum ist.

Demontage.

Aus dem Effeff:
Zuallererst bin ich ein einfacher Mann. Mag man mich für einen der Besseren halten wie man will, und drehen und wenden, boshaft Schadhaftes entdecken wollen, mag ich erwidern, und tue es auch, ich bin ein einfacher Mann. Am Einfachen ist nichts Besseres.

Ich bin mir nicht einig. Ich bin gefragt. Zerrissen. Ziehe schlüssig und schnell die Waffen. Entscheide und schaffe. Ich verwerfe, bin die Idee. Was ich sage gilt. Dem schönen Guten. Alles was ich berühre wird zu Gold. Armer Midas!

Es ist die Nacht die aufrichtet, aufrichtig liegen lässt, nicht lügen, für nichtig erklärt, nichts verklärt, nicht erklärt, stumm und alt und klar ist und deutliches Wasser trinken lässt, verbindlich hält, verwebt was verborgen lag am Tag, mischen lässt, keinen Deut besser ist, aber eine andere Perspektive einbringt, sei es auch nur im Traum, kurz vorm Eindämmern, Erkenntnisse wegnicken, die Bettdecke ein Flaum.

flaum
flau
lau
m

Landschaft mit nahen Verwandten.

fünf Forsythien
abgearbeitet fürchtest du menschengemachte Wege, dir schwindelt auf ihnen. Lügt der fuchsig Wind, rät dir, dich dem nächstgelegenen offenen Landstrich anzuvertrauen, glaubst du ihm. Ohne Worte Landstreicher streifen. Ein Bachlauf plätschert. Einen Traktorenspur, per pedes nachgezogen, Händchen haltend, damit man nicht stürzt, staubt. Du redest ununterbrochen - sie auch - und doch fühlst du dich so warm eingepackt wie in angenehm einvernehmliches Schweigen.

buchstabier mir Ade!
wir sind zu zweit und weit, reflektieren das eigentliche Licht, wie es sein sollte mit Sprechen, sei es in Rufweite, weil es zu entdecken gilt, oder so nah beieinander dass sich die Hände, die Körper aus reiner Zärtlichkeit beinahe berühren. Nuancen dazwischen. Steht eigentlich außer Frage wo wir stehen? Ich breche einen blühenden Kirschzweig vom Baum, du sprichst. Laufen und sprechen, sagt da einer, gehöre für mich zusammen.

zwei Reiterinnen, ein Sandplatz, ein Traktor, ein peinlich berührter, angehender Skater, wir sprechen miteinander - über allem der Geräuschpegel der nahen Autobahn. Die Sonne drischt nicht auf uns ein, noch zärtelt sie. Wir finden uns miteinander ab. In mehreren Fotografien versuche ich dich und diesen Nachmittag einzufangen. Ob es gelingt? Gegen Abend nehmen die Jogger zu. Es ist ein Laufen und Stechschritten und Rennradeln. Es ist zweifellos, betont nimmt sich die Geschwindkeit der Stadt das Draußen. Nicht scharf zu kriegen. Hungrig geben wir auf, nicht ohne geheime Zeichen hinterlassen zu haben, für die, die das Land auch streicheln, für die, die lesen können.