Achtgeben,
das neue Highfiven.
Ein Freund1

1 — to:nulleins

Jetzt is' für immer.

Im Rücken ein Reis, in den Augen, eine Kuppel blaues Licht, auf längere Sicht.

Im Wald auf dem Rücken liegen. Mit deinen eigenen Augen hast du längst aufgesehen.

Jemanden gehen lassen, der gestorben ist, ist ein wenig wie in einen Apfel beißen, der schon eine faulige Stelle hat, aber ansonsten gut im Saft steht und sehr süß schmeckt. Du beißt hinein und merkst sofort den bitteren, faulig beißenden Geruch in der Nase. Doch da ist mehr. Du schluckst das angeekelte Würgen herunter wie du ungeweinte Tränen herunter schluckst, kaust weiter und schmeckst die süße Sonne vergangener Tage. Erinnerungen an längst vergangene Tage voller Zinnbadewannen unterm Wallnussbaum, Decken, die kaum verlassen werden konnten, so erzählte man dir, weil das Gras so unangenehm kitzelte, Hühnerherzen en masse in der Nudelsuppe. Der süße Saft des Apfels läuft dir dein Kinn entlang. Du verlierst dich darin.

Weinen wie Mairegen, im Arm meiner Mutter. Da ist auch Trotz darin. Jetzt ist für immer.

Zora nickte. »Blick nur genau hin. Von hier aus sieht man so weit, bis man nichts mehr sehen kann.«

Loderndes Leuchten in den Wäldern der Nacht.

steigende

Kirsch,
Schal,
auf dem Weg,
Ansicht,
unfunktional,
Bewegung,
Drucken (Welle, abgebildet),
blaue Linie, Vollmond,
säurehaltiges Papier,
stake.

Schreiende Gebäude, das Knirschen der eben noch beschleunigten Reifen der SUVs auf den blanken Schädeln derer, Armer, die sie ermöglichten, derer, die sie fürchten. Noch hält das letzte bisschen Anstand. Die Furcht, sie könnten kommen, nachts, mit Fackeln, Steinen, vermummt, wütend.

Auf der Straße stehen. Atem schlägt den Herzschlag Brustkorb auf und nieder. Er hält und reibt sich die Stirn mit der Hand die den Haustürschlüssel hält. Handrücken, Augenhöhlenringe. Schmetterlinge auf für den Sperrmüll ausrangierten Teppichbodenblüten. Dies sind die Zeiten in denen du keine hast. Hast! Streifenshirt, Tunnelblick. »Jeden Tag sehe ich klarer. Was genau machen wir hier?« Ansichten einer Menschlichkeit. Das Haus gegenüber. Nikotingelbe Gardinen. Wahrscheinlich stirbt wieder jemand, wie neulich in der Bahn die Frau mit ihren Augen.

Sex läuft die Straßen hinab. Schlaf wie ein Gott, iss einen Traum, träum einen Traum! Verweigern gilt nicht!

Für immer.

(Erinnerungen.)

Alle Tage, alle Samt.
Alle Tage auf einen summiert stehe ich irgendwann auf, ab dann wird es ungewiss. Nichts kann ich gleichmachen. Sobald mir ein Gegebenheit, ein Wegstück bekannt vorkommt, wechsele ich das Vorgehen. Taste, trete sanft und unter Vorsicht auf, raune nur. Stehe ich dann vollkommen eingehüllt in Neuem, unbekannten Schönen, reizt es mich, zerrt mich die Reißleine zurück auf bekanntes Terrain. Wahrscheinlich weil mich der Weg so liebt, egal welcher. Ich gehe ihn.

»Eine Nacht, ungeplant zwischen zwei penibel durchgetakteten Arbeitstagen, irgendetwas verheißend, wie damals in Kindertagen, als das Leben noch keine Struktur kannte und die Dinge einfach passierten.«

Eine der ersten Erinnerungen die ich beileibe nicht zwischen Traum und Wirklichkeit trennen kann, spielt sich in einer Heckscheibenablage eines Autos ab: Die Lichter der Straßenbeleuchtung blenden, mich aufschlitzend, das Schwarz der Nacht als solches ist kaum über das Dunkelblau der späten Dämmerung herausgekommen, die Fenster der kastenförmigen Häuser brüllen Orange oder Hellgelb, klares Weiß, es geht alles zu schnell. Der Motor heult auf, es geht bergauf, mein Körper wird nach hinten verlagert oder war ich das? Ich kann noch so viel mehr sehen. Die mir zufallenden Augen öffnen Fenster der Kästen, einige. Sind es Augen? Wieso sind sie so klar, während wir doch so schnell wegrennen, fahren? Lässt sich der Hals noch ein wenig biegen? Ich muss sie sehen, muss die Augen schließen. Wenn ich nur fest genug daran denke, lassen sich alle Fenster öffnen. Da sind Menschen dahinter, wahrscheinlich. Oder es sind Sterne. Streifensterne, Lichtgeschwindigkeit.

Wir besaßen gar kein Auto.

Der Wald unweit des Kraftwerks war ein Park. Rostrote Backsteine an dunkelgrüner Lichtluft. Ein alter zugeworfener Bach plätscherte. Soweit ich sehen konnte, war dieser Wald undurchdringlich für die Sonne gebaut. Der Boden ein tiefes Schwarz. Gut war die Erde hier und festgetreten. Ein Kronendach, eine Kapelle. Einen jeden Mensch den ich kannte, kannte ich aus diesem Wald. Meine Eltern blieben stehen, unterhielten sich, ich entdeckte irgendetwas und war für immer verloren. Folgte man den Spuren, fand sich eine Kastanienallee zwischen dicht an das abgerundete Kopfsteinpflaster geduckten Häusern, dort die Eisdiele. Die Sonne brannte, schmolz mein Eis, meine Hand, die andere auch, klebte. Ich wusch mich mit Gras und Sand von der Baustelle die einmal meine Schule werden wollte. Ich rannte, flog, zog, zerrte um Entdeckungen zu teilen, stürzte das riesige Glas Himbeerbrause in meine aus Staub und grünem Luftdach zu bestehende Kehle. So schrieb ich Durst meiner Gier zu.

Was nun?

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?

[001What you gonna do now? 002Florida Breeze 003Princess 004i don't smoke 005Girl in Amber 006Körper 007Inneres/Aeusseres 008Tonband 009By your Side 010Ellas's Moonshine 011Last Days 012Freiheit ist ne Hure 013Far too easy 014Abel Nema 015Conjure (Remastered) 016Blue Sunshine 017Dance while you can 018Crush 01989¢ Public Render 020francis forever 021You're Lionel Richie 022Her 023Suicide by Star 024Busfahrplan o.D 025The Water vs. the Anchor 026False alarm 027Today Dear]

→Nimm' ein Mixtape, Baby!←

Der Hochnebel der Stadt ist zu salzig, Lüge gar.

Überbordernd rote Lippen einfangen. Ein Schal weht, wie es Schornsteine gewöhnlich tun, stur geradeaus. Wellen wie Berge. Viele Farben Schwarz. Krähe! Kik-kik-kik-kiker-iih! Der Uhrenspieler, Zeitverdreher. Eine Zimmerdecke aus Porzelanweiß. In ihr eingelassene Zeichnungen, kadettenblaue Blüten, Schemen. Ihnen Handwärme abgeben, zurück gespiegelt bekommen. Falte, forme, falze ich Papier, verkleinere ich mich, sind es ebenfalls Wände. Ich in ihnen. Ich ziehe ein, wie Tinte sich aufsaugen lässt. Ein geschlossener Raum ist kein Sarg. Ein Raum der Behälter, Sarg sein mag, ist keiner. Raum ist Platz. Mit beiden ausgestreckten Armen an nichts heranreichen können. Ich öffne alle Fenster, Balustrade Fenstersims, lege mich in den Durchzug, bin Zugvogel, Zugvögel, ein Schwarm, schnattere, klage nicht. Natürlich ist die Zimmerdecke der Fußboden, vielleicht faltete ich unkonzentriert. Offene Türen einrennen ist nicht, ich muss die Füße hoch heben und leise aufsetzen. Es fehlt mir das Rennen, das Rauschen, der Sprint, der Tunnel der Geschwindigkeit. Wer würde wohl denken, dass das kleinste, ungestüme Kind das ich einst war, behauptete, man müsse nur schnell genug in eine Pfütze hinein und, das sei das wichtigste, auch wieder hinaus springen, um nicht nass zu werden? Ich durfte es nie so oft üben wie ich zum Beispiel Mathematik üben musste. Der Hochnebel der Stadt ist zu salzig, Lüge gar. Möwen hinein phantasieren. Brandung an die Fassaden klatschen, ewiglich wiederholt. Heute behaupte ich, rennte ich nackt nur schnell genug durch die kalt dahinwabernden Stadtteile, ich würde brennen, so heiß wäre mir.

Farben sammeln.

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?


Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?

·

»Well Marianne,
it's come to this time when we are really so old and our bodies are falling apart and I think I will follow you very soon. Know that I am so close behind you that if you stretch out your hand, I think you can reach mine. And you know that I've always loved you for your beauty and your wisdom, but I don't need to say anything more about that because you know all about that. But now, I just want to wish you a very good journey. Goodbye old friend. Endless love, see you down the road.«


— Leonard Cohen

ff.

Oostkapelle, Zeeland Okt.'16
Backsteinwege, mehrere, karmesinrote — ich mag mich kaum entscheiden, welchen ich gehen soll. Ich gehe wohin mich meine Füße tragen. Zur See! Nur zur See. Seeläufer nennt man mich und stumm. Allen Augen die reden, Lachen falten vielleicht. Im Dünenwald der riesigen Wohnzimmerfenster aus der eben durchquerten Siedlung gedenken: beruhigend weiß gerahmte, so weit wie der geöffnete Blick, zum Licht einwecken gedachte wohnliche Nester, Kleinigkeit Intimität. Sieh hin! Ich zeig dich mir! Was ist mit einem provokativ über die Sessellehne gelehntes, gestrecktes, gar dargebotenes blankes Hinterteil? Pobacken packen und teilen im Aquarium. Solange meine Füße die Stille des vom Wind verkrüppelten Waldes brechen, solange bin ich noch ein Fremdkörper unter ihnen, den Waldbewohnern. Rehbraune Augenblicke, grün gesprenkelte Iris, die Haut eine Lichtung, Sonneninseln Schlüsselbeine, nackte, aufgetragen unter der schweren seefesten Jacke. Einen Parka als dunklen Wald tragen. Es beginnt, wir sind mittendrin, vergeht. Schnellstmögliche Farbübergänge. Die Hirsche röhren ihr Revier. Einer bricht aus dem Unterholz auf der Flucht vor einem anderen, stärkeren. Die lärmenden Spaziergänger aus der Gegenrichtung sind für den unterlegenen Hirsch auch keine Option. So stehen wir uns gegenüber, wie Brüder.

Der Nebel schluckt alles, sogar das Schnattern der Wildgänse. Ab und an verschwindet ein Auto spurlos in ihm. Ich nehme mir vor zu schlafen bis es wieder Licht gibt und ertrinke stattdessen in einem eigens für solche Nächte bereit gelegten Buch. Das Meer rauscht bis hier her. Ich solle Ruhe geben.

Die Milchstraße ist deutlich zu erkennen. Kein Lichtschmutz. Selbst das Licht hinterm Vorhang der Stube des bescheidenen Häuschen hinter mir kann sie nicht übertünchen. Ich möchte die Milchstraße anfassen. Regelmäßig wischt der Leuchtturm den Horizont sauber, versucht es zumindest. Ich muss milde lächeln. Als ob uns die Dunkelheit fürchtet.

Rotkehlchen, angefreundet, vogelfrei — es muss mir über die vierhundertsechzig Kilometer gefolgt sein. Bestimmt ist es das. Sein freundliches Gesicht ist nur als solches zu erkennen, wenn man über den Ernst der Augen, der unbequemen Unbeweglichkeit seiner Mimik hinwegsehen kann. Ich kann. Wir gehen überall zu zweit hin. Es fliegt, ich laufe, fortfolgend.

Sag mir, wo ich beginnen soll!

Es weht,
braunes Laub auf's Parkett im Wohnzimmer,
wir sehen uns an.
Es sammelt sich und legt sich nieder.
Laub
das trocknet und eigentlich ganz schön aussieht.
Die Tage kürzer tragen,
unsere Haut brennt noch nach.
Manchmal,
wenn ich die Wohnung lüfte, tanzen wir.
Ich muss dann sehr aufpassen,
dass ich nicht auf eines der Blätter trete,
barfüßig, sonst zerbröselt es.
Aber selbst die gebrochenen Blätterstücke tanzen im Kreis,
wenn man genau hinsieht.
Uns gefällt das.
Ich werde weiter Laub sich sammeln lassen,
Haufen bilden oder Banden,
und über Winter überwintern werden wir.
Urlaub unter Laub.