Achtgeben,
das neue Highfiven.
Ein Freund1

1 — to:nulleins

es wäre: alles vergebens.

Vogelbad. Katzenwäsche. Tagedieb geblümte Tagesdecke. Spitze Brüste. Papierdünne Sommerkleider. Buntstiftfarbene. Ja, dieses. Überzeichnung, barfuß auf morgenkalten Beton. Das Bett im Schlafe drehen. Aufs Dach legen, mit den Augen die Spiralen und Schlaufen und Stillleben der Schwalben filmen. Flußaufwärts, auswärts Essen gehen, mittig im Feld vergebens versuchen verloren zu gehen. Den Überblick, geschenkt bekommen, behalten, verschenken, über klitzekleine Dinge detailverliebt sinnieren, in Gesprächen. Wasser schlachten, durchsichtig und offensichtlich Wasser bluten, dabei lachen, blühen vielleicht. Zwischen blanken Pobacken, bewegt alle: rote Lust. Pfirsichhaut teilen, auch saure Kirschohrringe mit Stolz tragen. Wimpelketten, Birnen aus Licht des Nachts, wenn die kalte Nase am warmen Bauch aushält und ausspricht, vergiss nicht!

SIGNAL: blau

Nur so eine Wucht: flirren, das Sonnenlicht das gar nicht anders konnte als ein Fiasko anzurichten. Als alles einschlug. Eine offene Dose Fisch, diese Stadt, nur mit Menschen. Selbst freiwillig Schatten werfende Zimmerpflanzen blicken zärtlich. Wer etwas auf sich hält ist Draußen zu finden, küsst, rotkehlige Erregung auf- und übertragen, überzeichnen, Bordsteinkanten einsitzen. Schwalben fangen. Feuer geben. Ich bin, du bist, wir sind dieser Moment. Kannst du das nicht sehen?

Da ist dieser Weg ins Freibad. Die Sonne brennt. Kein Schatten, nur tragende Füße. Die Tochter, das Mädchen das immer vernünftiger wird, an Größe gewinnt und Selbstbewusstsein für sich selbst formt und entwickelt, obwohl ich das nicht möchte, die Vernunft, plaudert uns nur so fort. Leichthin, wir kommen gut voran. Ich lächle unbewusst kurze, aber ernste Antworten auf ihre immer wieder einfließenden Fragen zum Leben wie sie es zu verstehen glaubt. An dieser Straße ist nichts auszusetzen. Der Asphalt ist an einigen Stellen geflickt, einige Autofahrer kennen die Schlaglöcher weiträumig - es ist ein Schlängeln. Ein Motorradfahrer fährt schnurgerade, rasend schnell, beschleunigt noch. Motocrossmaschine. Kein Helm, Tränen, vom Weinen verzogen, verzweifeltes Gesicht ohne Falten. Gas geben, zur Autobahn.

Da ist dieses Paar, diese lauthalse Verschmelzung im Abstellraum, das kopiert, anstandslos ineinander passt, reibt, eindringt, spaltet, was sich zu kopieren lohnt.

Da ist dieser ältliche Amerikaner der mir ungefragt erzählt, er ziehe, nachdem er 28 Jahre in Darmstadt wohnte, mit seiner Familie in einen Wohnpark. Seine Familie heißt er und seine Frau. Die Kinder erwachsen und längst erzogen und ausgezogen hinterließen eine gähnende Leere im gemeinsamen Haus. Ungefragte Worte unterbricht man nicht, so ich nicht ihn. Im Wohnpark wäre ein Kindergarten und ein Altersheim integriert. Dort werde man geboren, wohne und sterbe da. Die Niedlichkeit wie sein Gefasstsein mit amerikanischen Akzent die Werbefloskeln der Broschüre wiederholt macht mich stolz und traurig und neidisch zugleich.

Da ist diese andere Straßenseite. Das Echo ist immer auf der anderen Straßenseite. Bodenlange Gardinen mit großen, groben Mustern wie sie in den Achtzigern modern waren und jetzt wieder sind. An einen dahinterliegenden Vorhang ist nicht zu denken, doch er wird weggezogen mit einer Wucht, die Dringlichkeit vermutet, die gegeben nackte Haut, in weiß verzierte nackte Haut der jungen Frau nicht verbergen kann. Die löchrige Gardine zeigt sie auf der Suche, auf der Jagd nach etwas Schnellem, nach etwas das gezielt die Richtung wechseln kann. Gefangen. An diesen grauen Hasen schmiegt sich ihr kaum verbotener Körper. Unbeobachtet küsst sie den Hasen. Sie sieht auf, lächelt, lässt den Hasen mit einer Pfote mir winken und zieht den Vorhang zu.

Da ist auch Platz. Wollen wir uns setzen?

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Hallo,

realisier' dass Realität nur ein Traum ist.

Flieg, Junge, flieg!

»Letzteres.«

Zugegeben, einerseits gehe ich dem anderen Leben - dem kleinlichen, dem der veruntreuten Menschlichkeiten, dem furztrockenen Boden der Tatsachen, nicht zu verwechseln mit der strahlen Offensichtlichkeit, dem Bettlakenweiß der Logik, dem Leben aus Floskeln und unernst gemeinten Höflichkeiten, der Kurzangebundenheit, man selbst der Hund vorm Supermarkt - aus dem Weg wo ich nur kann und sage nichts. Ich kann nicht oft. Es ist ein Zwang und ich (bin), wie jeder, Ausführender und leide — ich bin verantwortlich. Andererseits: eine Häuserfront, ein Farbenrausch, eine Frau mit kurzen Haaren. Eine Frau, die ihre Finger abspreizt, die Hände abstützt, wenn sie steht, als trüge die Luft sie, als beinebaumelte sie sitzend auf unsichtbaren Balken, oder als tanzte sie immerfort, usf.. Es reicht, es riecht ein wenig modrig wenn Mutter Natur sich aus dem Winterschlaf erhebt. Das ist ok. Ich öffnete das Fenster zur Nacht, obwohl du eben erst deine Ärmel hochgekrempelt hattest. Ich muss meine Hemdsärmel ebenfalls hochgekrempelt haben, unbewußt, um dich zu spiegeln, jedenfalls ich fror. Warm war der Augenblick. Es roch herrlich jung.

»Letzteres.«, sagtest du erneut und ich wusste gar nicht wo wir war'n.

Eigentlich (war'n wir Killer).

Eigentlich brennen die Gardinen weil die Sonne so tief steht und wir in die Kissen sanken. Wie wir in die Kissen sangen. Einst Zwei.

»Komm, wir singen.«
»Vom Loseisen.«
»Du zuerst!«
(singt) »Hinter dir, sieh nicht hin, sieh bloß nicht hin, liegt hinter dir.«
»Du alberst.«
(singsangt) »Wer sich umdreht oder lacht, kriegt den Buckel blau gemacht.«

Eigentlich die Kraniche ziehen lassen. Das frühe Frühjahr frühs aushalten und abends ins Bett bringen. Eigentlich wollten wir die Gardinen anbrennen, wenn wir welche hätten, wenn wir welche gekauft hätten und angebracht wäre es allemal. Eigentlich ein Zeichen. Eigentlich setzen, an Bordsteinkanten verweilen, verweigern, die Knie in die Ellbeugen legen und den Kopf in den Nacken. Küssen. Wer die schnellste Schwalbe malt! Mit Kreide! Eigentlich scheitern wir mit Stil, gebügelten, aber abgetragenen, verlebten Hemde am Leib. Hände am Leib. Wir tragen es aus. Eigentlich staunen wir. Zeit ist jetzt wichtig für uns, nehmen wir an. Nicht, dass sie schnell oder langsam vergeht. Wir ringen nicht. Die Gegenwart der Zeit liegt uns am Herzen, weil wir sie mit stofflichen Dingen und händischen Tun füllen können, um sie aufzuteilen, damit sie deutlich wird und nicht verschwindet, ohne dass wir es bemerken. Eigentlich verbringen wir die Nacht am Strand. Diese eine noch, die einzige die zählt. Wozu? Geheimnisse behalten.

ALLE FARBEN (allemal).

Querbeet, als ob da nichts stände, als ob nichts zwischen uns stände, ging ich, festen, leichten Schrittes auf dich zu, überwand mich und diverse Hinterhofmauern, die Straßenbahn, ein bis zwei Stadtteile und deinen, nicht vorhandenen Widerstand. Wir brannten lichterloh im Gesicht. Es war Februar und schneidend kalt und wir genau jetzt warm und genau richtig gut Freund. Wir gingen zu Fuß. Die uns offen stehenden Möglichkeiten schlugen wir aus. Füreinander.
Verstandene Verständnis.
Entdecken.
Da sein.

Das Kreuz mit Panzerkreuzer Potemkin.

Grundsätzlich existiert Neues nicht.

Ich schnitt mir die Haare raspelkurz. Nicht um jungen, russischen Matrosen und ihrer lebensstrotzenden Gesinnung ähnlich zu sehen oder zu provozieren, es war nötig. Ich nahm mir den Stolz.

Ich habe immer geglaubt, würden Schornsteine nur gleichzeitig in ein und dieselbe Richtung ausstoßen, die Erde flöge davon. Irgendjemand spielte Akkorde auf einem billigen Klavier, rotzrotgesichtige Menschen soffen und prosteten sich zu. Ich stünde am Fenster oder auf der Veranda und würde singen - was ich nicht vermag - oder Summen bilden - das schon eher - was genau ich erreichte und warum und wie ich mich zu dem machte, der ich bin, hier, auf dem Weg zum Ende der Welt.

Ich lernte lesen. Erster Fehler.

Es war keine eiskalte Nacht. Die mildtätigen Sterne konnten mit dem Geruch der nahen Puddingfabrik ebenso wenig anfangen wie ich mit ihnen. Ich kann heute noch Vanillepudding riechen. Ich war beschäftigt, aufgeregt gar, gleichzeitig konnte ich ruhiger gar nicht sein. Ich ging, weil mir meine Freunde, allesamt spätere Informatiker, zu pubertär waren, mit Bier spazieren. Wie einfach. Ich wollte die angebrochene Nacht nicht verstreichen lassen, obwohl ich nicht wusste was es heißt eine angebrochene Nacht nicht verstreichen zu lassen. Ich ging allein in die Disco. Das erste Mal. Junger Leitwolf Licht. Ich lernte tanzen. Zweiter Fehler.

Ich lernte lieben. Ausgehend vom Elternhaus, meiner Schwester trug ich meine Liebe hinaus, über die Felder, fand die Frau, fand Frauen, Menschen und verschwendete sie keineswegs, aber vielfältig. Wichtigster Fehler. Ich verlor keine Freunde, ich verlor ganze Freundeskreise. Weil man sich nicht auseinander leben kann, sondern auseinander lebt, immer, hielten wir für ein kurzes Langes zusammen, waren einig in dem was wir taten und prägten uns.

Ich lernte Konsequenz.

Ich stahl mich davon, fraß Nacht um Nacht, Beat um Beat, blitzte selbst vor Schweiß, kroch in Weiblichkeit, verkroch mich gar, ernst und ohne jeden Grund verletzlich. Auf offener Hand offen aufgetragenes, fast herzliches Verlangen. Das gehört mir. Ich muss es mir nur nehmen. Ich schlief nicht mal des jungen Morgens in gar widerlich stinkenden Bahnen und suchte meinen Umlauf. Ich lernte gieren. Dritter Fehler.

Ich fuhr Auto. Am Telefon konnte ich kaum etwas sagen außer "Sie ist da.". Ich fuhr Auto unter Tränen. So viel Glück und das Armaturenbrett war salzig. Ich nahm nichts an und mir nicht vor, ich handelte instinktiv. Ich lernte Kinder. Vierter Fehler.

Gleichgültig klingt die Krankheit aus dem unermüdlichen Wortschatz der Ärzte, mein Schatz. Wie eine Auflistung, ihr Scherz, dein Schmerz - nicht nur, ich weiß. Ich lernte an deiner Verletzlichkeit meine verletzlichen, meine überschreitbaren Grenzen. Ich lernte an deiner Stärke meine Demut messen. Fünfter Fehler.

Ich erklomm Berge, versucht mein Ich zu ersäufen. Ich arbeite schnell, laufe schnell, denke schnell, entscheide schnell. Meine Geliebte ist die stille Ruh. Ein Reh. Einen Kussmund bis zum gehobenen Hintern hat sie. Ich kann! Ich bin wer! Wer, wie ich, als Kind ständig vor Kindergruppen floh, aus Angst, dem wird, ob des schillernden Umstands dieses Gefühls, schwindelig werden. Wer mich von Anfang an kannte, staunte, war stolz auf meinen Stolz. Der Gute. Ich lernte Stolz. Sechster Fehler.

Ich glaube, als nächstes lerne ich helfen oder Geschichten erzählen. Die halten wenigstens.

Wenn man einfach das gleiche denkt
Die Schwierigkeit der Leichtigkeit
Versprich mir das

Für: Jemanden.

Taube Stadt, die niemals über war. Glänzt und flasht, wie der Stahl gehärtet wird. Nebelarbeit drischt Gemütern - auch mutigen - ins Gesicht. Einsame Pflanzen stricken. Eine Kerze, einen Stern, einige dutzend Stadtteile entzünden. Blitzt. Flunkert gar: stünde zu. Pflichtversessene, seid ihr mit mir da? Für Jemanden.

Formation.

»Fliegende Blätter wie Papierflugzeuge. Gleichzeitig geworfen von bunt beschalten, bemützten und rotwangigen Kindern oder Erwachsen. So genau kann man das nicht erkennen, zwischen lachenden Strommasten.«

Warum nicht.

Übers Ufer treten. Ins Wasser gehen. Am Kleid zupfen. Flunkelfliegen. Auf Dächern zum Erliegen kommen. Mit Wolken zögern. An einen Berghang atmen. Baumfinger sein. Wurzeln Mühe geben. Dem Wind einen Blumenstrauß übereignen. Verneigen.

So ungefähr.