Achtgeben,
das neue Highfiven.
Ein Freund1

1 — to:nulleins

Wunder was

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?


Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?


Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?


Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?


Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?

›Wir beginnen mit dem Stück
Angeschossen.‹

Sobald eine Person den Raum betritt wird das Gespräch anders. Die Blumen Frankreichs, Feueraugen, schwere See, sicherer Glanz, hebt die Stimme leicht, unmerklich weicher gefärbt, steigert Mittelpunkt sein, sucht, sehnt, sieht winzig kurz ehrlich verletzlich aus, findet sich nicht in der Person und zu sich selbst zurück, aber anders, verändert. Eine Spur enttäuschter, stolzer, beherrschter. Derart menschliche Beziehungen, ich wünschte sie könnte(n) sich fallenlassen.

Wir waren zwei. Abgeschlossene Systeme mit ziemlich beschränkten Möglichkeiten sich auszudrücken. Wir vertrauen. Wir verändern uns, wechselseitig. Nicht zu unserem Ungunsten. Umgang so zart, ab und an bleiben wir wie Angeschossen liegen, nur um uns im nächsten Moment zu fragen »Kannst du Aufstehen? Wir müssen weiter!« Sicher, es ist nicht immer einfach, die Umstände den Umstehenden erklären, der Anspruch zu Schönen, das Urversprechen, einfaches Leben, einfachster Art zu führen, zurückgezogen, weltoffen, immerdar ansprechbar, obwohl das unser wundester Punkt, unser offener, stets neu zu schlagender Kampf ist — wir reden miteinander. Stumme Gestik, Mimik, leichte, kaum wahrnehmbare Bewegungen, nackt im dunklen Wohnraum des frühen Herbst oder am Abendbrottisch oder stundenlang, mit stur starr ins Nichts fokusierten Augen die Seele vom Leib oder weil es so schön ist, gerade jetzt, gerade hier, den Augenblick des Staunens, jedweder Gefühle teilen. Wir verändern uns, wechselseitig. Gut.

Flußbett.

Furt. Fließgeschwindigkeit. Für uns behalten.

Halbestadt 50

Verwunschen (bin ich), alte Welt, eine gegenwärtige, gültig grün, stark im Auftritt, doch leise, auch laut, nach Bedarf.

Ich saß an der Elbe, die abendfeurige Sonne überblendete mich wie jeden anderen Stein am Ufer, also legte ich mich dazu. Jemand kam, sah und warf mich — Flitsch - Flitsch - Flitsch - Flitsch - Shhh! — fast bis zur ausgelegten Angel am anderen Ufer. Dort sank und blieb ich, tief unter der Elbe.

Trauerweiden am Dauercamper, Birken, Buchen, bergaufs. Der Jungwald und das Mädchen. Singt. Ich atme. Pilzduft. Ich kann sie kaum noch zweifelsfrei bestimmen. Am späten Nachmittag Szegediner Gulsch auf Böhmischen Knödeln nach zwölfhundert teils nur fußballenbreiten Stufen essen. Brause aus Halblitergläsern. Ein Ausblick nach dem anderen. Wir schreien ins Tal was uns einfällt. Was uns nur einfällt! Euphorie ist handzahm. Der Abstieg gestaltet sich durch die zunehmend sich auf die Felder legende Sonne schwierig. Wir sehen kaum etwas, taumeln, torkeln, glucksen gar. Das letzte Stück zur Elbe wird gerannt. Und wenn wir uns auf die Fresse legen, dann soll es eben so sein.

Die Luft schmeckt süß, klar und hölzern. Diesen Sommer: Ich bin verletzlich.

ha!

Über für immer in Musik verlorene Kinder rauscht durch zerrissenes Violett ein Licht.

Die Fenster des Wintergartens sind abmontiert über die Sommermonate. Die Apfel- und Birnenbäume der näheren Umgebung sind in der Dunkelheit untergegangen. Die Fledermäuse kann ich von der schwarzen Luft durch die sie jagen kaum noch unterscheiden. Augen, hilflos wie sie sind, können das gegenüberliegende Ufer, die Hügelkette nur durch die Sterne über ihr abgrenzen. Glänzend schäbige Disco für die Grillen. Noise. Kopfüber, die Milchstraße fest im Blick, nur für mich: Tanzen.

Im Schatten einer fetten Tanne hockend dem Schauer trotzen, wie die Hühner gackern. Ist das schon alles rufen.

Er erträumte.
Meine Blicke erntet sie, schiebt sich den Rock hoch. Ihre Bräune zu beurteilen bin ich nicht mächtig genug. Verfangen zwischen kieselsteinweißen Kanten. Ihre Pobacken teilen und meine rauen Lippen mit ihren Schamlippen vermengen. Steht, der Sinn.

Der frühe Fährmann in Königstein ist mir zu routiniert als dass ich ihm die tiefe Melancholie, die diesem Beruf zustände, anrechnen kann. Immer zwei Münzen mehr in der Hosentasche haben, für die Augenlider. Nebel steht im, um und, wenn man dem Fluß tief in die Augen sieht, auch auf dem Wasser. Wir legen an, der Fährmann legt auf.

Die letzte der uralten Straßenbahnen aus dem ansonsten stillen Wandergebiet heraus. Ihr schwergelbes Licht fällt auf die wenigen noch sichtbaren Felsen, wilden Wiesen, Bauminseln. Die schweren Beine sind glücklich, aber leise. Den Blick fest in der kühlenden Fensterscheibe gekrallt, hebt direkt neben der Straßenbahn ein Reh seinen äsenden Kopf und sieht mir mit seinen rehbraunen Augen in die meinen. Die Zeit hält an, die Straßenbahn fährt trotzdem weiter. Das Reh kümmert 's nicht, nur ich, ich bin verwundet.

Nur nicht aus Liebe weinen.

Du wirst eventuell vergessen werden.

Unentwegt überschlagen sich Ereignisse. Stimmengewirr. Gewusel. Beine. Körper. Ich weiche Menschen aus, die um einiges kleiner, aber vehementer sind. Verunsicherung. Ein Chor Mädchen hebt an in meinem Kopf unter Kopfhörern. Staunen. Stehen. Ich muss nicht immer rennen.

In einem vor Dreck nur so starrenden Innenhof riecht es an der einen, kaum einsehbaren Stelle nach Frau und Erregung. Ein Parfüm wie in der Nacht vergessen und stehen gelassen. Im Stehen nehmen und bleiben, irgendwie.

 

»Ich tanz' die ganze Nacht. Und trotzdem bin ich allein. Ja!«

Gustav

Alles ist brutal, alles ist helllicht.

Kleine Haut, klirrt klar, tiefer brummt der Ton der Berührung. Erregung, Gier, steigern, unermesslich — platzt, entspannt. Windsonne, Gedanken machen, Sonnenwind. Kleinigkeit, zu sagen, Regentropfen stellen sich auf meine Schultern, meinen Brustkorb, meine Stirn, sammeln sich in Augenhöhlen, zu sagen, sie kühlen ungemein. Sie verprügeln mich. Sie sagen: »Komm' endlich zur Ruhe!«

Du sagst: »Kunst ist Entspannung.«
Ich nicke und verstehe nur halb.
Du sagst: »Angenommen du saßt den ganzen Tag am Rechner. Ob du nun nachdachtest oder tatsächlich programmiertest. Dein Hirn ist eingeschliffen, dein Körper obendrein. Auf die Aufgabe fokussiert. Sie gewöhnen sich im Laufe des Tages an die Tätigkeit. Entspannung ist Abwechslung. Liegst du nun und zeichnest, schreibst, hörst oder tanzt exzessiv, es ist genau genommen egal, was du tust, solange es nicht das ist, was du den ganzen Tag gemacht hast, entspannt es dich. Spazieren gehen ist entspannend, weil wir viel zu viel sitzen.«
»Spazieren ist keine Kunst!«, sage ich und korrigiere mich augenblicklich: »Spazieren gehen ist Kunst, keine hohe, aber Kunst. So wie wir es betreiben mit Sicherheit.«
»Wind auf der Haut. Die Nase, die Ohren ausklappen, umher schweifende Augen, anfassen, prüfen, sprechen, schleichen, rennen, Atem einholen, über den Feldern, sein.«
»Du sagst es.«

(gekürzt)

und unser Wunsch nach festem Boden.

Satzfetzen, Nebenwege, Traktoren. Das nahezu menschenleere Freibad stürmen als wären wir die letzten einzigen Menschen, rücksichtslos, knalllaut, frei von Verlust und Angst, abtauchen. Es ist uns egal. Ist es nicht — wir wollten es so! Werde ich meine Tochter jemals loslassen können?

Kritisch denken, kleine Nacht.

Morgenatem.

#

Unersättlich suchen wir Flaum im Lichtschmutz der nächtlichen Stadt.

Wasserfarbe.

Wie weit geht Faltenwurf, wo fängt Aufknöpfen an?

Zweite Haut.

Am S-Bahnhof Zeilsheim wächst ein Pfirsichbaum. Auf einem Abräumhügel, der, wenn er überhaupt eine Funktion besitzt neben dem Stützen der Bahnschienen, Auffangbecken ist, für allerlei Müll, Unrat, Samen, Wildwuchs und -pflanzen, und Aschenbecher. Den Pfirsichbaum wird wohl jemand achtlos hingeworfen haben, als halb abgelutschten Kern, als angebissene Frucht, als Wurfgeschoss gegen die Alltag genannte Betonmauer gedonnert. Vielleicht war das Fruchtfleisch bitter, wie die Scham einer Frau bitter oder nussig schmecken kann. Süße — als ob das Alles wär'! Am Frühabend hält der Pfirsichbaum seine rosigen Früchte ins tief stehende Licht. Ich halte im Laufen inne, Sekunden später einen Pfirsich in der Hand. Er schmeckt mir.

Ich laufe andauernd dieser Tage. Ständig ist irgendwas. Die Straßen alt und schmal. Das Dunkelgrün der Platanenallee. Erst gestern als ich Licht aus der Gießkanne trank. Mich ertränkte. Fahl, die Sonnenschirme in den Innenhöfen, wenn sie, ihrem Zweck ausgesetzt, schützen, dabei leuchten, von innen heraus aus sich herausgehen, dann stehe ich ihnen bei. Fleckige Felder, der Sommerweizen ist noch nicht ausgebracht. Dafür brennen die Grille. Stadtteil entzünden, mit Haut. Stets und ständig gehen meine Turnschuh' mit mir wohin ich will. Klaue, kaue und trage Pflaumen wie ein Baby auf dem Unterarm. Herb. Bauchgefühl austragen.

Salzig fließt deine Rückenlinie. Gar nicht genug Fingerspitzen haben.

Öffnungszeiten: Juni, Juli und August