Achtgeben,
das neue Highfiven.
Ein Freund1

1 — to:nulleins

 

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?


Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?

Nachtrag

Alleen, ich möchte sie küssen, alle, laufend oder fahrend.

Der auf dem Seitenstreifen der Landstraße liegende, überfahrene Fuchs hat seinen Kopf auf den Unterarm gelegt und sieht aus, als ob er schliefe.

Vom Heimischwerden.

Frei von Angst.

Du kannst das Moosgrün der kahlen Äste über das Lindgrün der hügeligen Weiden legen und es gibt keine Nuance Unterschied. Die Rotkehlchen ins Abendsonnenlicht schmeißen. Eine Hügelkette, junge Buchen, Fußsohlen geschmettert, vom Federbett liebevoll in den Schlaf erdrückt.

Insekten surren durch das warme Licht. Sie sind das Knistern der Nadel in der Rille auf der Langspielplatte der Sommerlichkeit. Das Lied hat noch nicht einmal angefangen und du fühlst dich wohl, isst ein Eis.

Der reichste Spatz der Welt.

In einer Pfütze liegt eine Unmenge Froschlaich. Mehr ist es nicht, ein Pfütze.

Aufwachen vom Tage in einem Treppenhaus, das bäuerlich anmutet, zugleich gut bürgerlich und weit wie eine Landschaft ist. Breite Stufen, kaum eine knarrt. Ich kann meinen Fuß aufsetzen und berühre weder Kante noch Klippe. Beide Arme ausgestreckt, als Vogel Storch berühre ich keine Wände, kein Geländer. Ich fliege die Treppen hinab und, als ich unten angelange, wieder hinauf. Ich fliege. Großzügig geschnittene Fenster, die Tageslicht hinein fluteten, wenn es tagte, umnachtet. Sternenlicht zersticht mich und zieht sich zurück. Ich verblute auf der schönsten Treppe der Welt. Ein aus Holz geschnitzter Hirsch blickt mich kapital an.

Atem einholen, ernst und offen, Höhenmeter mit Aussichten ausgleichen, dennoch, als das Waldbad im Tal durch die noch kahlen Laubbäume blitzt, das Wasser darin grün und eiskalt lockt, zum über den Zaun klettern, zur Arschbombe einlädt, erkennt mich der Bademeister im Blaumann. Er lacht. «Lass es!», sagt er. «Es ist wirklich nur so kalt.» Er hält Zeigefinger und Daumen hoch, umrahmt drei Zentimeter Nachmittagsluft. «Das riskier ich auf'm Rückweg!», höre ich mich sagen. Er prostet mir mit seiner Bierflasche zu.

Die Gaube im Dach, unterm Federbett ich, ist der Astronautenhelm. Streckte ich den Arm, berührte ich die Fensterscheibe. Atemzüge bilden sich auf ihr ab sobald ich aufgeregter atme. Die sternklare Nacht durchs Glas. Sich beruhigend berühren, regen.

Wie lange Dinge dauern:

Ruin.
Speisewagen.

Den Pissegeruch im U-Bahnhof ehrlicher finden als all die gelackmeierten Mitreisenden in der S-Bahn mit ihren Konsumopfertrophäen — das eine ekelt oberflächlich, die anderen ekeln mich sobald ich unter ihre Oberfläche vermeintlich blicke. (3 Jahre)

Urlaubsreif sein bis fast alles an mir abperlt. (14 - 18 Wochen)

Bis ich weinen muss, weil ich merke dass ich unmenschlich bin. (3min)

[…]
Anders!

Ich traf mein jüngeres Ich von heute in der S-Bahn. Wir saßen gegenüber. Kein Blick traf den anderen. Meiner nicht, weil ich mein jüngeres Ich nicht verunsichern wollte. Seiner nicht aus Angst, vermutlich. Ich schreibe dies, nachdem ich ausgestiegen bin, ebenfalls um ihn nicht nervös zu machen. Er starrte sowieso die ganze Zeit auf sein Smartphone. Wahrscheinlich hätte ich das damals auch so gemacht. Das ist geschickt. Er sieht mir so ähnlich. Auch wenn seine Augen nicht ausgesehen haben als ob sie lesen. Meine Augen springen beim Lesen, ich weiß das, ich lese immer drei Zeilen gleichzeitig, was mir beim Vorlesen die Beine und den Lesefluß bricht. Seine Haare sind kürzer, zu brav für meinen heutigen Geschmack. Kein Punk, keine Unnahbarkeit. Sie verdecken die Augen nicht. Jedenfalls: Ich hatte sie länger damals. Er hat blaue Augen, keine braun-grünen. Ich, wie ich heute sein würde. Ein Schlaks, wie ich! Er hat fast nichts von mir. Ich erkenne meine Unsicherheit, wenn ich sie sehe. Er könnte mein Sohn sein. Ist es leider nicht. (12min)

Ich habe jahrelang überlegt mir einen Plattenspieler zu kaufen. Das kam mir albern vor, weil ich doch mit Plattenspielern und Tonbandgeräten und Verstärkern und guten Boxen aufgewachsen war. Die Zeit längst fortgeschritten. Das Doppelkassettendeck dass ich zur Jugendweihe von Onkel Michael bekam, habe ich wieder aufgestellt. Einen Plattenspieler bekam ich gerade eben per Telefon geschenkt. Einen schönen, mit Holzkörper. Eine Kellerentrümpelung. Ich gebe nicht gerne Geld aus. Ich finde, vieles ist sein Geld nicht wert. Ein Haus zum Beispiel oder ein Auto. Meine Urlaube sind nie richtig teuer. Essen gehe ich gerne. Ich höre auch gern Musik. Theater, Zirkus, Kino, Konzerte, Festivals, mit Menschen sein, was sehen, fühlen, das mag ich. Man kann sagen, ich gebe mein Geld aus für Sachen, die man nicht anfassen kann. Ich finde, das ist nicht albern. (3min)

Es drückt die himmelhohe Wolkenbettdecke den Atem tief in Mund und Nase rein, es schmerzt fast auszuatmen. Ausatmen muss man, zu Fuß, weil die Allee mir so viel Mühe machte. (18min, sonst 14-15min für 1,8km)

Diese Wände schreien nach bleistiftspitzen Wellen, jenen. (immer wieder, nur Sekunden)

Ich weiß nicht, wie wir das gemacht haben in meinem Traum, aber unsere Schamhügel waren verbunden. Wir rieben uns gegenseitig ab und an, auf, Gier, angezogen wie wir waren, durch Stoff, so dünn und hinderlich, nass/hart. Erregt küssten wir uns. Unsere Rücken mussten durchgebogen sein wie Schwanhälse. Küsse und gegeneinander Pressen, mehr spürte ich nicht. Deine Oberlippe, Schwalbenflügeln gleich, kräuselte sich als sich dein Kuss von mir löste. Gewinnend, schmunzelnd, siegessicher. Ich erwachte. (Wie lange dauern Träume?)

 

Sie hält die Öffnung ihrer geschlossenen Lippen in einfallendes Sonnenlicht als ob es getrunken werden könnte.

Konzentration der Kräfte.

Ungeplant regt sich Leben. Es ist so leise, fordert komplett ein. Flau und zahm, zerfetzt faszinierend kraftvoll, verletzlich — es ist das Sammeln vor dem Sprung der niemals kommt, ständig ist, weil es kein Springen ist was hier passiert. Ein Strecken, Säfte schießen ein, Häute des Schutzes platzen ab, handgewärmte Knospen, kaum verdickt, geöffnet, schüchtern zum Umstehenden, zart tastend: »Ist es wahr, sind wir schon soweit?« Verharren lose, ziehen sich ein Stück zurück falls dem nicht so ist. Ein Liebesspiel unter Vorsicht, Verdacht, Ahnung, ein zarter Umgang. Genügend Regen? Reicht das Sonnenlicht? Sag', liebst du mich? Gebend nehmen. Hingabe erwecken, Gier. Himmel aus Feuer. Selbst kalten Regen zärtlich küssen, für dich.

Und ich, ich auf weiter Flur? Ich bin nur schnell gelaufen, erklären die Tränen in meinen Augen.

soundso

»Ich kann, will und werde mich nicht vom Hier und Jetzt trennen!«, erbost zur Fantasie. Ich rasiere mir den Schädel und schweife ab. Lassen wir das Bild so stehen: Die Zehenspitzen im Fantasee des viel zu kleinen Badezimmers. Ein Schlaks mit ausgestreckten Armen könnte beide Wände gleichzeitig streichen. Toter Raum — ein zu großes Badezimmer ist toter Raum, sagte Oma Gitta immer. »Ich hätte gern Tapete gehabt«, sagst du, doch das geht nicht. Blättert ab. Vier Finger bilden einen Kamm das Mädchenhaar zu bändigen. Der Vater ist woanders.

Die Straße ist alt und schmal. Rausch aus Rücksichtnahme. Leise ist das Blaulicht schnell die Straße runter. Most aus weißen oder braunen Flaschen in einer Holzkiste verpackt und klirrend, aber stumm, wenn sie still stehen — stehen sie aber nicht, es frühlingt — eingekerkert im Keller. Knallsüß bin ich, trink mich mit Wasser verdünnt, lau, in kleinen Schlucken, vom letzten Sommer die Erinnerung. Das schale Licht des Tages nur ein Abbild, die Straßenlaternen brennen dagegen richtig, wie Augenränder. Am Stadtrand, soundsoviele Füchse, können kaum Hühner holen, Messerstechereien mit Brotmessern im Bus, am ehemaligen Schlecker. Der Brathähnchenwagen kommt auch nicht mehr her. Der Rinnstein sitzt, auch wenn es noch/schon wieder/für kurz kalt ist, wie angegossen unterm Hintern. Wer nimmt schon ein Rotweinglas zum Saufen mit auf die Straße? Ich lag lange nicht. Auf einem Traktoranhänger zwischen Zuckerrüben, rollend gefahren werdend, überholte Ansichten, längst an Alleebäume zerschellt gehörter, schmierig geldtriefender, wild hupender, jedenfalls, die interessieren mich nicht. Ich seh mir Kronen an, kröne die Schönste, ab und an auch die Verkrüppelste zwischen türkisfarben, grün, durchschienen, und weiß. Das Freibad, im blaue Lippen machenden Wasser liegen, auf der Wiese liegen, im Handtuch eingewickelt, langsam nicht mehr zittern müssen, einen Steifen bekommen. Auf einem verlassen hinterlassenen Parkplatz eines Einkaufszentrums liegen, nachts, das beruhigend Hellgelb der Laternen, der Dreck, unter Röcke gucken, vorstellen, höflichst, geritten werden. Kippendes Becken ihrerseits. Aufs Flachdach klettern, dort schlafen bis die Sonne zu arg brennt, die letzten Croissants abgreifen, einen Skater einholen im Sprint. Hasenbaue. Dachpfannen im Kreuz, tagsüber die alte Scheune neu mit gebrauchten decken. Ist gelogen, ich bin nicht schwindelfrei. Die Nackenhaare, die zwischen Haupthaar und Hals, sind fein, weich und am schwierigsten zu kürzen.

Für niemand bestimmten.

Horizont

Sieh, es eilt!
Was weiter?
Wo ich schon mal hier war?
Rechts oder links.
Das Himmelsende oder das andere Ufer.
Fake Fiction.
Bestürze. Akzeptiere still
Gestandene, Aufgegebene, verstehen kann ich nicht.
Die Ferne lügt.
Anders,
es ist gleich schön hier.

Vielfalt.

Ein Mund voll von Muscheln. Schnittmuster salzig. Das Shirt, die Gänsehaut, angenehme, durchsticht es. Du drehst dich im Kreis. Dir wird schwindelig. Hast du irgendwelche Entschuldigungen? Sitzt auf einem Brustkorb und weigert sich zu atmen. Die Treppe zum, durch das Dachfenster nehmen. Schreibt sich Birkenrinde und Lippenstift und Rauch und rosa Schamlippen auf die Haut. Bleistiftspitzen pieksen. Mondlicht zeichnet gar ungeheuerliches. Mittel- und Ringfinger sanft in die Höhlen geschlossener Augen einer Geliebten legen, zwischen Schlafsandkiste und Brauen in etwa. Der schwarze Mann, die blütenweiße Frau. Laut.

Mitschrift eines Gesprächs, das so nie stattfand, so nie stattfinden hätte dürfen, allein aus der gebotenen Höflichkeit heraus.

(Sie lobt und lobt und lobt das Kind.)

»Kommen wie mal zum Punkt, das Kind hat ja nicht so schlechte Noten, weil sie so prima ist. In diesem Bewertungsbogen über ihr Arbeits- und Sozialverhalten erhielt sie durchweg sehr gut bis gute Ergebnisse. Wie erklären Sie sich dann ihre durchgehenden Abwertungen ihrer schriftlichen Ergebnisse um mindestens eine Notenstufe?«

Sie: »Durch ihre fehlende Mitarbeit. Sie hat sich ja, wie gesagt, bereits verbessert. Im Schnitt meldet sie sich ein, zwei Mal pro Stunde.«

»Das ist doch gut.«

Sie: »Andere Schüler melden sich in dieser Zeit bis zu zwölf Mal. Die Mitarbeit des Kindes kann ich also kaum mit gut bis sehr gut benoten.«

»Also sind sich häufig meldende Mitschüler verantwortlich für die schlechten Noten der Tochter?«

Sie: »Ihre Mitarbeit entspricht aktuell einer Vier bis Fünf, ja.«

»Im Vergleich zu den anderen. Auf dem Bewertungsbogen ist unter Mitarbeit bei einer fünfstufigen Skala bei Mitarbeit zwischen zwei und drei angekreuzt. Ergänzt um den Kommentar: "Tendenz zur Besserung". Meine Frage bleibt bestehen.«

Sie: »Im Sportunterricht verweigert sie oft vollkommen. In Deutsch und Sachunterricht ist ihr Blick starr auf mich, durch mich durch oder auf die Tafel gerichtete. Sie träumt!«

»Stichwort Aktives Zuhören. Haben Sie ihre Aufmerksamkeit schon einmal durch plötzliches Ansprechen getestet?«

Sie: »Sie träumt, dessen bin ich mir sicher.«

»Da bin ich anderer Meinung. Viel schlimmer ist, das Kind hat mittlerweile eine Frustrationsgrenze überschritten, sie hat kapituliert. »Egal, wie sehr ich mich anstrenge, ich bekomme doch eh nur eine Drei«, sagt sie dann.«

Sie: »Da sind wohl sie als Elter gefragt.«

(ist baff)

Sie: »Weiter zum Thema Arbeitsverhalten, ihre Ordnung ist miserabel.«

»Inwiefern? Ihre Hausaufgaben sind pünktlich, vollständig, ihre Materialien in Ordnung, ihre Hefte haben keinen Knick.«

Sie: »Ich spreche von ihrem Schriftbild.«

»Ihr Schriftbild? In Ordnung, halten wir fest, neben dem Wiederholen und Festigen des Unterrichtsstoffs, der täglichen Motivation zum Melden und Mitarbeit, üben für ein verbessertes Schriftbild. Können Sie im Gegenzug vielleicht akzeptieren, dass das Kind einfach nur schüchtern ist? Und diesen Bewertungsbogen vergessen. Das ist kein Feedback.«

Sie: »Wir sind gesetzlich dazu verpflichtet. Was brächte uns Schöngerede? Ansonsten rutscht ihr Kind in den weiterführenden Schulen enorm ab. So wird sie wenigstens realistisch bewertet.«

»Dann wird sich für uns an den weiterführenden Schule ja nichts gravierendes ändern. Ihre schriftlichen Noten sind gut genug. Vielen Dank für das Gespräch.«