Achtgeben,
das neue Highfiven.
Ein Freund1

1 — to:nulleins

Zwei, oder: eine kritische Masse tanzt.

 

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?

Selbst gewunden fällt das Benennen der Sekunden schwerer denn je. Bin ich eigentlich schon mal da gewesen? Gegen Abend das erste Atmen des Tages in Rauch auflösen, der Balkon ohne Dach das Schutzschild. Schwalben fand ich dort am Firmament und sie tanzten ihr Abendbrot tot. »Es ist alles so einfach!«, singsangen sie und sie haben recht. Still dancing, immer einen Schritt mehr ins Zwielicht hinein, lass ich das Atmen und gehe nahtlos ins Lachen über. Ich bin bereit.

Du kannst das gerne anmalen, mit Papierhut, doch lass uns kopflos sein! Gaslaternengelb gegen überblendet Sonnenflut und sauerkirschrot.

Wir sind nutzlos.

Der größte Trost des Futurs, sehenden Auges hinein laufen und verschwinden — Verloren ging ich nie, auch wenn ich das oft wünschte. Wund reibt der Wind die Haut und wund auch das Verlangen nach kühler, weißer Haut, im Laken. Dein Lippenrot, vonnöten. Hier und dort — zeigt auf — und dazwischen auch. Voll gestellte Pflaumenbäume vom windigen Lenker aus beobachten, darauf lehnen, nicht daran, Pflaumen, so blau. Geworfen wohl auch 'ne Option. Selbst flammend Trotz niedergezwungen seh'n und sich, unter Wolken stellen, sie verfolgen, weil die Haut, einmal, nur einmal, nun andauernd, im Schatten so schön brennt. Ich steh' in Flammen wenn die schlichten Nadelstiche, die dicktropfiger Regen auslöst, mich erreichen. Bewiesen. Lebt. Solange ich taub bin, höre ich mich. Und sehe eine mir gereichte Hand.

Knisternd Haut, als flösse Strom in spitzen, heißen Schreien — gebend nehmen. So wie Sonnenhaut riecht.

Wie kleine Bomben schlagen die Mähdrescher auf den Kornfeldern der schnellen Befriedigung ein. Wimpelketten möchte ich ihnen anhängen, nackt, nachts auf auskühlendem Beton liegen, schwarzer, friesischer Tee dampft bis der Lichtschmutz der städtischen Nacht beschlägt.

neu
bevorzugen
korallenfarbene

Variationen Weiß.

Gardinen, Tischläufer und -decken, Halstücher, Handtücher, altmodische Taschentücher, die mit Spitze, Geschirrtücher, hauptsächlich Gardinen aufspannen, Schatten bilden, vielleicht ein Haus, ein Zelt, ohne Dach, aus Stoff, die ganze Stadt einladen, unter die Obstbäume, über den Feldern, da, ur und einst und wunschgemäß Tische mitbringen und leichtes Essen, Gespräche, brennenden Schnaps, Wasser, Brause lachen von Sonnenuntergang bis -aufgang und noch einmal, weil es so schön war. Die Zeit vergessen. Ja, vergessen wie Pflaumen sich anfühlen.

eingeflogen.

Wie die Haut so müssen die Städte brennen. Schieben ständig Wasser nach. Nur menschlich. Wir sind Fantasie. Wir uns Liebhaber, samtweiche, Luft auf feuerfester, schlafwarmer Haut. Was würde ich für dich tun! Öffnen wir die Fenster sperrangelweit, alle Fenster des Daches, streicheln die Kissen wie tote Kätzchen, wenden wir das Zelt von Laken. Wiiet, Wiiet, Wiiet bitten die Schwalben. Wir sagen ja und das große Pesen beginnt. Kaiserlich. Luftdruck pfeffert uns um die Ohren, als die Jäger in Formation durch das Schlafzimmer über den ellenlangen Flur, durch die gute Stube, die Küche wieder hinaus, durch die Wohnung fliegen. Kinderzimmer, Bad, wunderschön, aber realistisch, Schwalben jagen in unserer Dachwohnung jeden Abend und Morgen. Wir würden Fliegen extra für sie sammeln, die dicken, schmackhaften, die ihre Kinder satt und zufrieden machten. Schlafen könnten wir, mit allem. Sogar weit ausgestreckte Arme kämen nicht an die Nester, die in den Dachgiebeln gebaut, die ständig und unaufhörlich piepsten, zum Füttern. Und wenn du oder ich aufstehe, weich und zerknittert, die Lenden abgezeichnet, dankten wir oder sie niemanden. Das ist selbstverständlich.

ausgeflogen.

An mir, nicht auszusetzen, trage ich Blüten, kornblumenblau leuchten sie regnenden Wolken entgegen, entgegnen vollmundig Trotz. Gespreizte Finger kämmen Wasseroberflächen eindringlich sobald sie einer habhaft werden können Ich kann nichts dagegen tun. Dein auf- und ab kippendes Becken, dein blank ausgestrecktes Hinterteil fordert Aufmerksamkeit ein.

Eine Zunge ist nicht umsonst s-förmig. Auch den letzten Rest Schokoladeneis dem Becher abgewinnen, selbst saure Kirschohrringe mit Stolz tragen. Ich möchte am Fluß sein, da ist immer Bewegung. Man wird in Ruhe gelassen und wandelt, so man denn wandeln mag, unter Wellen. Tief unter der Elbe. Irgendwo anrufen, irgendwie eindringen in jemandes Leben, mit Vergangenheit, in in Gegenständen manifestierter Gegenwart, Bedürfnisse, Probleme und Zukunft. Ich bin nicht mal mehr in der Lage mir meine eigene Zukunft auszumalen, geschweige denn, dies zu wollen. Schluderjan, der ich bin, ich lebe in den Tag hinein, verbummelte die Stifte.

[Im Zeitraum, mehrere Tage.]

Ist es möglich, dass ein jeder Mr. oder Mrs. Erdrutsch um seine Hand gebeten wird und darum, aus dem Treibsand zu ziehen? Und man, ich, meine Probleme damit habe, Heilsbringer zu sein und Löser und Wand zum Anlehnen. Ich brauche auch ab und an eine Hand, um nicht zu straucheln, obwohl ich Straucheln mag, wenn mir schwindelt. Wahrscheinlich haben wir deswegen alle zwei Hände.

»Klar, ich lass mich eh momentan treiben«, antworten.

In der Waschmaschine der letzten Tage rosa erregte, feuchte Scham finden, Zigarettenrauch und Gewitterregen, freudig herbei gesehnt und bekommen, deswegen getanzt, barfuß und bar jeden Verstandes nur in Schlafshorts. Auf den ersten Bus gewartet, in der Dämmerung des jungen Sonntags, des Tanzes Glück in den Adern: eingeatmet, ausgeatmet, dergleichen.

Die Aura des Wollens.

Vom Morgentau feuchte Spinnweben an einer Autoantenne. Weiße Lunge. Woraus Körper gebaut sind? Nackte Haut. Höchst, meine Liebe. Nied, in Griesheim steigen frühs nur die Arbeiter ein. Scheiß Europaviertel! Gieriges Geldbürgertum. Am Mantel der bewussten Halluzination sollt ihr sie erkennen. Wir sind was besseres, ha! Ich fahre mit Russinnen. Solche aus dem Märchenbuch, mit adretten Kleid und Schleifchenring am Finger und blutroten Lippen, osteuropäisch geschminkt — verdammt, wahrscheinlich lasen wir die gleichen Märchen, damals — und die Angepassten, doch Unverkennbaren. Die russische Austauschschülerin in der Zehnten, ihr Stolz, ihr Sprachverständnis, ihr Hintern, der bewegliche Rücken. Sie sagte, wir Deutschen sind so rau und falsch, kein Mensch hebt seine Maske nur einen Augenblick und dass ich diese tiefe, beruhigende Traurigkeit der Russen an mir habe. Ich sagte nicht, dass wir absolute Ruhe brauchen um uns vollends zu entfalten, ich gab ihr recht indem ich sie ansah. Naivität war schon immer meine stärkste Waffe, nur das Naivität keine Waffe ist und ich sie nicht bewusst verwende. So golden, vielleicht.

Ich gebe mir Mühe.

ist

Nicht gleich alles in Frage stellen, falscher Hase. Irgendwo muss doch der Fluchtpunkt sein.

»Eigentlich bin ich gar nicht mehr hier«, sagte er eines Tages zur Fensterscheibe und sah dem sogenannten Treiben zu. Irgend geartetes gegenüberliegendes, offenes Fenster, wehendes Gardinenhaar, ein Blick durch die Krone einer mächtigen, sommergrünen Kastanie, ein menschenmädchenkleines Loch lassen die Äste, das Laub, der Atem mir und meiner Neugier. Eine Feder zeichnen und fliegen, liegt mir.

Auf Reise.

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?


Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?

Tochter Wildfang.

Es ist kaum noch etwas, wie es war.

Einen Federballlampenschirm als Scheinwerfer (Wirf!), ein Kissen als Turban, verstellte Stimmen, Theater machen, Tanz im speziellen, Arme rudern, Hüften lachen. Sommerstudie, stiller Abend.

Zwischenzeitlich Gedanken machen zum Abendbrot. Der Wildfang liest. Immer öfter erwische ich mich, sie so zu sehen — beim Lesen, konzentriert, ernste, ruhige, rehbraune Augen — wie ich mich sehe, meine junge Jugend, auf diesem einen der wenigen Bilder, beim Lesen im Freibad, jedenfalls einer Wiese. Dieser Blick ist ihrer und meiner und der meiner Mutter. Ihre Mutter hat ihn auch. Augen auf die Ferne der doch so nahen Fantasie gerichtet. Hinter unserer Stirn, auch diese konzentriert, fängt eine Welt an, die niemals jemals aufhört. Stolz.

Wir zeichnen um des Zeichnen willens. Ich zumindest. Ich muss meine Hand, meinen Verstand beruhigen. Meist sind die Worte die wir dann wechseln kurz, bündig und liebevoll leise. Das mag ich sehr an dir, auch weil ich weiß, wie stundenlang und begeistert und über Themen hüpfend du reden kannst. Ohne Punkt und Komma. Listen the Quiet.

Kleine Eitelkeiten hast du dir zwar angewöhnt, doch, es sind liebenswert wenige. Du achtest auf Kleidungsstücke mit Zusammenhang, doch es ist dein Zusammenhang der zählt. Deine Erinnerungen die du damit verknüpfst. Deine Haare sind dir ebenso egal wie geschnittene Nägel. Wenn du dir das noch angewöhnst und ich sie nicht mehr Schneiden muss und dich Triezen dich doch noch zu kämmen bevor du das Haus verlässt, dann weiß ich, es ist wieder ein Schritt geschafft.

Wir gehen gern zu Fuß und es ist dir auch nicht peinlich, ganz im Gegenteil, du suchst meine Hand geradezu, Hand in Hand zu gehen. Meist reden wir ununterbrochen oder sind uns genug. Wer weiß schon wie das Morgen ist oder nachher. Es ist kaum noch etwas, wie es war.