Achtgeben,
das neue Highfiven.
Ein Freund1

1 — to:nulleins

Mauern, Fenster, Gründe.

HOCH HINAUS. Ausgetrieben, vermummt, noch, still, star, jederzeit bereit, sich gegen aufkommenden, bissigen Frost zu wehren, ein Versuch, fest, wenn man sie berührt, liebevoll und mit zarter Handwärme, verpackt in rissiger, angerauter Haut. Ihre Farbe ist noch fahl, fehlfarben, ein schmales Abbild dessen was werden kann und werden wird. Mir fehlt das Sonnenlicht. Ihnen auch.

Lindgrün hinter die Ohren, als Parfüm tupfen.

Glänzt und Fleisch, heißen Atem herunter geschluckt, Tränenwasser in den Bauch geatmet — all das ist Zorn, und Liebe. Dabei waren die Voraussetzungen ausgezeichnet. Die Regen fiel getrieben und bestärkt vom Wind nahezu waagerecht in die Gesichter, unter die Schirme der Umstehenden. Ein einsamer Hügel, Trauer, kahle Bäume, Krähen, alles da. Ich fror. Meine Hände blau und ungestüm zitternd, das linke Bein, sonst so stark im Antritt und fest, flatterte Hosenbeine. Wir warteten. Ich sah den Wolken zu, wie sie verwehten und verregneten. Bis ich an der Reihe war, war das Blüttenblättergefäß längst leer. So viele waren gekommen, Abschied zu nehmen. Ich sagte: »Danke, Stefan!« und träufelte Erde ins Grab. Erde passt, zu mir, der Situation, ihm. Er war so bodenständig. Als meine mittlerweile verwurzelten Füße sich endlich vom Erdreich lösen, möchte ich nur noch heim, weinen, doch es regnet sehr stark. Die Autobahn ist ein Wasserschlauch feinster Tropfen und lässt uns kaum durch. Ich möchte nicht reden, ich möchte weinen, und rede doch. Von Belang, lauter als mir zusteht, leise indes tobt es in mir. Diese Autobahn ist eine zähe Melasse. Zuhause Kuchen, Gesprächsversuche, abgebundene, kaffeetassenwarme Hände. Als alle gegangen sind, ich Luft geholt habe und sitze, ausatme, kommen endlich die Tränen. Ich, der mir ständig die Tränen kommen, gern und stolz, wegen schönen Dingen und Kleinigkeiten, überwinde mich, und verabschiede mich tatsächlich.

Tageslicht bricht auf.

Es steckt eine Müdigkeit in diesen Tagen der Verlängerung, die allen Menschen die ich kenne, die man trifft anheimliegt, sie alle vereinnahmt, die auch mich verschlänge, wenn ich nicht meinen Winterschlaf hielte. Einigeln vereinsamt — es zum aus der Haut fahren. »Als wäre alles, für das man keine Worte findet, gleich undenkbar.«

Unter Vorsatz: Schreiben, sich, auf, weil es mir gut tut und die Zeit einteilt, die Zeitverfluggeschwindigkeit, die Schöne, gute, wenn schon nicht ausbremst, zumindest fühlbar macht, und nachlesbar, falls ich mich frage, fragen sollte: Wo war ich? Es ist mittlerweile Februar. Grün und Silber. Das Meer. Ich gebe mir Mühe, was nicht immer einfach ist.

»Sachte«, sagte er.

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?

[001Prolog 002My Girl was a Ballerina 003She's dancing 004Avantgarde 005Madeline 006To the Bone 007Stale by Noon 008Nackte Angst zieh dich an wir gehen aus 009Silence is Violence 010On a Cloud 011Nous ne serons plus rien 012Un voyage 013doux au touche 014Here comes the rain again (Eurythmics Cover) 015Der Mond lacht 016Warm und Grau 017In jedem seiner milden Blicke 018Wintercoat 019Human Love 020Any other Mirror 021Uncle Mother's 022Detonate (feat. M.O.P.) 023I hope 024David 025Wrong Hand 026Still we guess 027Bay of Pigs (detail)]

→Nimm' ein Mixtape, Baby!←

KALTER HUND.

Blickdicht, Strumpfhosen, überall Menschen. Öl auf Holz, nasse Pendler atmen in oder aus ihre(n) Anzeigegeräte(n).

Ein Bett aus Tannenzweigen: Zwei etwa unterarmdicke, knapp mannshohe Äste suchen, ebenso wie etwa 8 bis 10 etwas dünnere, schulterbreite. Zwischen zwei Bäumen, es sollte Platz genug für ein Bett zwischen ihnen sein, die Äste als Leiter auf den Boden liegend aufbauen. Die Längeren bilden die unterste Schicht. Obenauf drei bis vier dichte benadelte Zweige einer jungen Tanne. Ein Tuch auf dieses Bett aus weichen Nadeln und eines als spitzes Zeltdach auf einer Leine, die zwischen den beiden Bäumen gespannt ist. Abspannen, falls es nach Regen aussieht.

Es ist ein Kleidungstück wie jedes andere auch, so ein Stadtteil, Farbe und Fäden, Putz und Straßen. Ich schiebe Hände durch die Ärmel. Flammende Handinnenflächen. Mein Mittelfinger ist lang, er und seine Nebenbuhler, die flache Hand ansetzen. Ihr Schoß, ihre Augen, ihr Atem, sprüht Leben, sind geschlossen zittrige Wimpern, geht tief und fest und stolz. Meine Finger kleben Zucker, dein Mösensaft, verschmiert für dich und mich.

merken (Überschrift)
Bus fahren. Nasse Fassaden wie verheultes Make-Up. Sitzen, stehen, die Augen offen, fokusierend einen Fixstern suchen, seltsam sein, im Wald laufen, gehen in einer Geschwindigkeit, man könnte meinen, ich fürchte mich, ich rausche. Oh, nasse Waldböden, qutscht — sich legen lassen liegt nage, die Hände reiben, hineinatmen, den Kopf heben, in den Nacken legen, fürchterliche Falten bilden, vom Förster gefunden werden, das Bett Federwolken im Orangerot des Sonnenaufgangs gemacht.

Kein Taxifahrer nimmt die Tour an. Ich solle stornieren. Bitte nachschieben. Die Bürgersteige unterm Fuße, schwer kopfnickenden Hip-Hop auf den Ohren, kein Mensch auf den Straßen, nicht mal mehr ein einsamer Hundeführer, die S-Bahn, die mit roten Lichtern am Ende, verpassen, beschließen über die Felder zu gehen. Schon der erste Schritt aus dem Schutz der Straßenlaternen hinaus ist eine Befreiung, eine die zunächst einmal Angst ist, eine Angst, die die Kopfhörer abzieht, weil man alles genau hören will, vorbereitet sein möchte, was irrational ist, zum Gegenangriff. Es ist stockdunkel, kahl, unklar und erstaunlich warm für November, wenn man einmal läuft. Das Rauschen der nahen Autobahn schwillt an und ab wie das der Wellen am Meer. Der Lichtschmutz der Großstadt, dieser Kegel überm Dunkel zeigt mir den Weg den meine Füße nicht erkennen. Es könnte Stolpern sein, doch der viel geübte Schritt hält, vorbei an den eingezäunten Apfelbäumen, den einsam einzeln liegenden Datschen, die zu keiner Kleingartenkolonie gehören wollen, den Pflaumenbäumen, den quergestreiften Felderm die einst im Frühjahr Raps trugen. Vorbei an der Kastanienallee, die zurückgeschnitten gehört, so aber viel trotziger aussieht und wunderschön den klitzekleinen Friedhof im Sommer in ihren Schatten stellte. Vorbei an allerlei Müll, die Augen haben sich mittlerweile ans Dunkel gewöhnt, orientiere ich mich immer wieder am Lichtschmutz der Stadt. Zurück nach Hause, dabei bin ich es doch hier.

Es müsste mal frieren, kalter Hund.

Im eigenen Brustkorb geborgene.

Im schwarzen Abendkleid,
die Lippen rot geschminkt,
die Brüste kokett und spitz,
die Frisur kunstvoll hochgesteckt,
fertig zur Sünde,
die Nacht ein Traum,
Überschwang Großstadt.
Stattdessen,
so wie sie ist,
in die Badewanne voller Schaum tauchen.
Es ist nichts anderes.

Einige Gedanken über Wohnraum.

Auf einer nur mäßig abgewischten schwarzen Tafel mit weißer Kreide filigrane Farne malen. Eine Wandverkleidung aus braunem Leder, in regelmäßigen Abständen angebrachte, ebenso in Leder gebundener Knöpfe ziehen die hinter dem Leder angebrachte Polsterung heran, so dass der Eindruck entsteht, man sieht auf einen Polstersessel. Patina vom Daranlehnen wäre angebracht. Ein Lampenschirm aus Beton, geformt wie die äußeren Blütenblätter einer Pfingstrose kurz vorm explodierend Erblühen. Voll und rund. Das Innere dem Leuchtkörper. Im fein gewaschenen Beton eingelassen befinden sich eine Vielzahl von Glasmurmeln weißer, gelblicher und hellgrüner Färbung, so dass sie das Licht das Leuchtmittels durch den Beton tragen und im Raum verteilen können. Nuancen. Eine wegen mir auch durch Türzargen unterbrochene großflächige Wand mit der Haut von Birken beziehen. Auch Imitate gelten. Wichtig ist das kaum wahrnehmbare, den Birken so typische Muster von feinen schwarzen Strichen auf weißem Farbverlauf. Ein rotkehlchenfarbenes Kleid - ihres? - hängt an einem Haken an dieser Wand, somit davor. Wieso nicht eine Stehlampe aus dem Fußboden wachsen lassen wie eine Decklampe aus der Decke? Auf dem Boden liegend feststellen, dort wo der Esstisch ist. Diesen vielleicht aussägen dafür, abrunden, anpassen, einfügen, so dass die Stehlampe Teil des Tisches werden kann. Ein Lampenschirm aus hellfarbigen halbtransparenten Stoffen, mehrerer.

Laubfeuer.

»Anton Winter wuchs als Sohn eines Geigenbauers auf in einem riesigen Garten zu einer Zeit, als man noch in ein Schicksal hineingeboren werden konnte. Die Gartenkolonie war einst von Fabrikantensöhnen und Naturärzten, von schmallippigen Asketen und ein paar Gelehrten, von Bauern und hochgewachsenen Frauen mit Strohhüten gegründet worden, als der Staat sich auflöste und die Stadt trost- und der Mensch ratlos geworden war, dass er in die Natur gehen musste, um sich zu erneuern. Die Damen saßen zwischen Rhabarber und Erdbeeren, und die Herren lehnten sich aus den Fenstern des Hauses, um den Bäumen das Obst herunterzupflücken. Die Kinder liefen nackt über Grund und Boden, der allen gehörte, und abends aß man mit bloßen Füßen im Gras.«

Valerie Fritsch — Winters Garten

Einige der größeren Äste, die die ersten Stürme herabgeweht haben mussten, waren echt schwer. Wir aber waren viele. Die herrenlosen Bäume der Kleingartenanlage schnitt kaum jemand. Meist wurde Subotnik, Samstagsarbeit angeordnet, obwohl die DDR schon lang vergessen ward. Reisefreiheit, ja Reisefreiheit hatte die Datschen verwaisen lassen und in ein paar der zugänglicheren sind wir in diesem Spätsommer als ehrliche Erntehelfer eingedrungen. Erbsen, Birnen, Brombeeren, Äpfel en masse — wir waren Könige.

Am frühen Nachmittag stand der Berg. Wir ebenfalls, die Hände in den Hüften. Wir wunderten uns, stolz auf uns und dampften. Da wir den Stapel aus Laub und Ästen und Reisig — fein säuberlich, die Laubberge vermengt mit leichteren und schwereren Zweigen nach innen, die stützenden und gewichtgebenden, sturmgeplagten Äste außen — partout nicht höher bekamen, die Erwachsenen in der Laube saßen, sich unterhielten, wahrscheinlich ein Bier tranken oder Glühwein und wir sie da gar nicht raus holen wollten, weil wir frei waren, und weil der Hügel vom Spielplatz hinab so schön matschig war und ich der Älteste, derjenige mit Vorbildcharakter, rutschten wir auf'm Hosenboden den Matschhügel herab, laut lachend, uns immer wieder selbst in Tollkühnheit überbietend.

Wir, das waren:

Andreas, der Zweitälteste, vernünftiger als ich, mit einem kürzeren Bein und einem längeren. Fantast und Geschichtenerzähler. Er erfand den Bär im Loch in der Mauer der Feste Petersburg. Zwei Kinder, zog nach Norden, ich weiß nicht mal mehr wohin. Seinen Erstgeborenen sehe ich manchmal auf Feiern in der Großfamilie.

Steffen, Andreas' kleinerer Bruder, Haudegen und manchmal großmäulig, auch einer der Gründe wieso wir in der Gartenanlage bekannt und gefürchtet waren. Arbeitete an einer Bratwurstbude einer stadtbekannten Fleischerei bevor er zur Bahn ging. Zwei Kinder.

Stefanie, sprach schon immer laut und schnell, fantasievoll, immer vorn mit dabei wenn es ums Entdecken ging, nahm Rahmenhandlungen schnell auf und entwickelte sie mit und weiter, war voll dabei. Zog nach Köln, heiratete, ist Erzieherin in einer Kindertagesstätte, ist ebenso oft auf deutschen Autobahnen anzutreffen wie ich und kinderlieb wie nur was.

Mathias, Stefanies kleinerer Bruder, erfand die Begeisterung mit seiner Geburt. Punk, Tischlerlehre, liebt Mountainbikes, generell Fahrräder, zog mit seiner Freundin nach Weimar, sammelte Kronkorken für einen Bodenbelag in seiner Wohnung.

Josefine, die Jüngste, war immer auch die kleinste und gut aufgehoben bei uns. Wuchs so sehr, dass sie heute fast so groß ist wie ich. Studiert im Norden der Republik, ich weiß nicht wo. Angenehme Gesprächspartnerin bezüglich linker und grüner Gedankengänge.

Felix, Josefines älterer Bruder. Der Ruhepol. Sah zeitweise aus wie ich mir Marx in seinen jüngeren Jahren vorgestellt habe. Zog nach Flensburg, studiert dort, kam aus sich heraus, wurde zum total verrückten Huhn.

Katrin, meine Schwester. Fantastin und Sportskanone, eher ruhiger, aber dennoch immer mit dabei, herrliche Lache. Blieb in Erfurt, Ausbildung, Schichtarbeit, Krankheit, Studium. Liebt Tiere.

Maik, mein jüngerer Onkel, eigentlich kein Bestandteil der Bande am Petersberg, weil Sohn meiner Großmutter väterlicherseits, aber an diesem Tag wie selbstverständlich dabei. Eher gemütlich, aber vollends verspielt. Zog in der Republik herum, arbeitete bei Schlachthäusern Knochenjobs. Kiffte einiges. Meldete sich 2009 versehentlich per SMS zum Neujahr. Seitdem kein Kontakt.

Jochen, ich, bekam noch die Kurve beim Abitur, Soldat, Informatiker, zog nach Frankfurt und wurde Vater.

Das Laubfeuer brannte uns die Nacht aus unseren Augen. Knistern, Lachen, Blödsinn machen. Es roch herb, Laub vom Walnussbaum brannte. Einige der gut im Inneren des Lagerfeuers gestauchten Blätter stiegen auf und verglühten im Nachthimmel. Wir löschten alles im Umkreis des Feuers was nicht brennen sollte und freuten uns auf Weihnachten.

Sie können ja gar nicht sortieren!

Zunächst: Applaus! Liebe entgegnen. Allen Seiten. Meine Fäuste halten Bleistifte.

Und wenn jetzt gerade die Wurzeln der Bäume Knospen haben, im Erdreich aufgehen, platzen, sich entfalten, Blätter bilden, Blüten, wir die Kronen als Luftwurzeln sehen? Im Süden ist ja Frühling.

1989
She's dancing
Silence is violence

Du hörst genau hin, nimmst dir Zeit. Du sagst, »Neo Romantic passt«. »Es gab da diese Strömung in den Achtzigern…« Ich höre leider gar nicht so genau hin, die Eingeweide gleicht einer eben gefüllten Wärmeflasche. Annehmen.

Der Vollständigkeit halber: die halbe Nacht liefen die Streifen der Straßenlaterne, der nächtlichen Autos wie weißes Wasser das nachtschwarze Fenster hinab. Mohnblum'nrot bemaltes Papier, jeder Winkel des Zimmers einfacher Atem. Dabei liebe ich es im Regen zu schlafen. Viele meiner Freunde regnen nicht und ich frage mich, liegt es an mir? Stundenlang auf der Suche nach Liebe und Anerkennung durch die von der Dunkelheit abgeschlossenen Stadtteile gelaufen. Fand mich auf Geh- und Feldwegen wieder. Nahendes Dunkelblau, hellgelbe Straßenlaternen zusammengebracht und gelacht. Die Füße den Turnschuh'n, die Haarspitzen der Luftfeuchtigkeit gewidmet. Vier Kilometer Weg zurück. Das ununterbrochene Geplapper der Tochter, der ernsten, schweigsamen &mdash: ein Balsam. Verdammt richtig fühlt sich das an.

Erträumt: An die Wand gestellt, gedrückt, gezogen, angenähert, langsam, tief eingeatmet, Lippen berühren, geküsst, in Nacken gegriffen, in tausend Händen detoniert Zärtlichkeit. Kugeleinschläge Fingerspitzen.

Und: Wie warm Beton riecht, aufgegossen mit der versehentlich verschütteten Wasserflasche im geschnitten scharfen, heißen Sonnenlicht eines Sommernachmittags. Angefasst. Unterm Hemd, unterm Shirt, die Strandhaut.

~

Jener Sommer, das ruhigste Meer.

Schönschrift.

Zwei weiße Steine im Fensterbrett. Aus'm Flußbett eines jungen Baches, gefunden und für schön befunden von einem Jungen, abgelegt und eingedrückt im Zorn in der Ecke stehen zu müssen. Das Holz ist weich, die Steine hart und sein Unmut gerecht, so glaubt er. Über die Jahre wuchs das Holz der Fensterbank, auch hier kann er dem Unterricht folgen, um die Steine, rund und schön und blütenweiß, und vereinnahmte sie und seinen Zorn.

Verrauchte Stadtblumen auf betonfarbenen Schautafeln, ausgerollt und ausgestellt und abgestellt, millionenfach angesehen, verinnerlicht und aus lauter Langeweile vergessen. Tische und Stühle so unbequem, er möchte mit seinem Sitznachbarn tauschen, vielleicht ist es ja dort besser. Königsblaue Tintenfinger.

Anstrich dünn, Abstrich dick, Er versteht nicht viel Niederländisch, aber er versteht dass sie, die Lehrerin, Schülerin ward vor Zeiten, in solch einer altertümlichen Schule, dass sie diese Worte so oft hörte, dass sie sie erbrach, dass sie heute Grinsen muss wenn sie wieder und wieder intoniert, dass es auch glückliche Erinnerungen sind, die sie just in diesem Moment durchdringen. Anstrich dünn, Abstrich dick. Wahrscheinlich gibt es das Wort Abstrich im Deutschen gar nicht in der Bedeutung Feder bewegt sich abwärts, ist nur eine Kopfgeburt des zwischen zwei Sprachen leben. Er hält die Lineatur schief, wie sie gesagt hatte. Die Anspannung des Körpers. Die von sehr viel Willen erzwungen gebundene gerade Linie des Armes, des Federhalters, das verwinkelte Papier, das Kratzen der Feder, es lohnt tausendfach. Als zündete er, als entstünde märchenhaft verschlungenes Wachstum der Pflanzen im Frühjahr: verschlungen, verspielt, gekräuselt, sich windend, doch wachsend, zart erst, ausschweifender, mutiger werden, ausbildend, erste Knospen, doch halt! Das zarte Blau der kaum vorhandenen Anstriche stützt das Eigentliche, die dick gezogenen Linien, die Kerne der Buchstaben, die Essenz. Edel, anmutig und fein und, wie abenteuerlich, aus der Ferne, den Brief an die Daheimgebliebenen, erkennbar am auch in der lebensfeindlichen Wildniss säuberlich schräg gezogenen Linien — so will er schreiben. Die laufende Hand. Nach Hoogenboom und Moerman, sagt sie auch andauernd milde lächelnd.

neulich, neulich als ich dachte:

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?


Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?