Achtgeben,
das neue Highfiven.
Ein Freund1

1 — to:nulleins

 

Sie hält die Öffnung ihrer geschlossenen Lippen in einfallendes Sonnenlicht als ob es getrunken werden könnte.

Konzentration der Kräfte.

Ungeplant regt sich Leben. Es ist so leise, fordert komplett ein. Flau und zahm, zerfetzt faszinierend kraftvoll, verletzlich — es ist das Sammeln vor dem Sprung der niemals kommt, ständig ist, weil es kein Springen ist was hier passiert. Ein Strecken, Säfte schießen ein, Häute des Schutzes platzen ab, handgewärmte Knospen, kaum verdickt, geöffnet, schüchtern zum Umstehenden, zart tastend: »Ist es wahr, sind wir schon soweit?« Verharren lose, ziehen sich ein Stück zurück falls dem nicht so ist. Ein Liebesspiel unter Vorsicht, Verdacht, Ahnung, ein zarter Umgang. Genügend Regen? Reicht das Sonnenlicht? Sag', liebst du mich? Gebend nehmen. Hingabe erwecken, Gier. Himmel aus Feuer. Selbst kalten Regen zärtlich küssen, für dich.

Und ich, ich auf weiter Flur? Ich bin nur schnell gelaufen, erklären die Tränen in meinen Augen.

soundso

»Ich kann, will und werde mich nicht vom Hier und Jetzt trennen!«, erbost zur Fantasie. Ich rasiere mir den Schädel und schweife ab. Lassen wir das Bild so stehen: Die Zehenspitzen im Fantasee des viel zu kleinen Badezimmers. Ein Schlaks mit ausgestreckten Armen könnte beide Wände gleichzeitig streichen. Toter Raum — ein zu großes Badezimmer ist toter Raum, sagte Oma Gitta immer. »Ich hätte gern Tapete gehabt«, sagst du, doch das geht nicht. Blättert ab. Vier Finger bilden einen Kamm das Mädchenhaar zu bändigen. Der Vater ist woanders.

Die Straße ist alt und schmal. Rausch aus Rücksichtnahme. Leise ist das Blaulicht schnell die Straße runter. Most aus weißen oder braunen Flaschen in einer Holzkiste verpackt und klirrend, aber stumm, wenn sie still stehen — stehen sie aber nicht, es frühlingt — eingekerkert im Keller. Knallsüß bin ich, trink mich mit Wasser verdünnt, lau, in kleinen Schlucken, vom letzten Sommer die Erinnerung. Das schale Licht des Tages nur ein Abbild, die Straßenlaternen brennen dagegen richtig, wie Augenränder. Am Stadtrand, soundsoviele Füchse, können kaum Hühner holen, Messerstechereien mit Brotmessern im Bus, am ehemaligen Schlecker. Der Brathähnchenwagen kommt auch nicht mehr her. Der Rinnstein sitzt, auch wenn es noch/schon wieder/für kurz kalt ist, wie angegossen unterm Hintern. Wer nimmt schon ein Rotweinglas zum Saufen mit auf die Straße? Ich lag lange nicht. Auf einem Traktoranhänger zwischen Zuckerrüben, rollend gefahren werdend, überholte Ansichten, längst an Alleebäume zerschellt gehörter, schmierig geldtriefender, wild hupender, jedenfalls, die interessieren mich nicht. Ich seh mir Kronen an, kröne die Schönste, ab und an auch die Verkrüppelste zwischen türkisfarben, grün, durchschienen, und weiß. Das Freibad, im blaue Lippen machenden Wasser liegen, auf der Wiese liegen, im Handtuch eingewickelt, langsam nicht mehr zittern müssen, einen Steifen bekommen. Auf einem verlassen hinterlassenen Parkplatz eines Einkaufszentrums liegen, nachts, das beruhigend Hellgelb der Laternen, der Dreck, unter Röcke gucken, vorstellen, höflichst, geritten werden. Kippendes Becken ihrerseits. Aufs Flachdach klettern, dort schlafen bis die Sonne zu arg brennt, die letzten Croissants abgreifen, einen Skater einholen im Sprint. Hasenbaue. Dachpfannen im Kreuz, tagsüber die alte Scheune neu mit gebrauchten decken. Ist gelogen, ich bin nicht schwindelfrei. Die Nackenhaare, die zwischen Haupthaar und Hals, sind fein, weich und am schwierigsten zu kürzen.

Für niemand bestimmten.

Horizont

Sieh, es eilt!
Was weiter?
Wo ich schon mal hier war?
Rechts oder links.
Das Himmelsende oder das andere Ufer.
Fake Fiction.
Bestürze. Akzeptiere still
Gestandene, Aufgegebene, verstehen kann ich nicht.
Die Ferne lügt.
Anders,
es ist gleich schön hier.

Vielfalt.

Ein Mund voll von Muscheln. Schnittmuster salzig. Das Shirt, die Gänsehaut, angenehme, durchsticht es. Du drehst dich im Kreis. Dir wird schwindelig. Hast du irgendwelche Entschuldigungen? Sitzt auf einem Brustkorb und weigert sich zu atmen. Die Treppe zum, durch das Dachfenster nehmen. Schreibt sich Birkenrinde und Lippenstift und Rauch und rosa Schamlippen auf die Haut. Bleistiftspitzen pieksen. Mondlicht zeichnet gar ungeheuerliches. Mittel- und Ringfinger sanft in die Höhlen geschlossener Augen einer Geliebten legen, zwischen Schlafsandkiste und Brauen in etwa. Der schwarze Mann, die blütenweiße Frau. Laut.

Mitschrift eines Gesprächs, das so nie stattfand, so nie stattfinden hätte dürfen, allein aus der gebotenen Höflichkeit heraus.

(Sie lobt und lobt und lobt das Kind.)

»Kommen wie mal zum Punkt, das Kind hat ja nicht so schlechte Noten, weil sie so prima ist. In diesem Bewertungsbogen über ihr Arbeits- und Sozialverhalten erhielt sie durchweg sehr gut bis gute Ergebnisse. Wie erklären Sie sich dann ihre durchgehenden Abwertungen ihrer schriftlichen Ergebnisse um mindestens eine Notenstufe?«

Sie: »Durch ihre fehlende Mitarbeit. Sie hat sich ja, wie gesagt, bereits verbessert. Im Schnitt meldet sie sich ein, zwei Mal pro Stunde.«

»Das ist doch gut.«

Sie: »Andere Schüler melden sich in dieser Zeit bis zu zwölf Mal. Die Mitarbeit des Kindes kann ich also kaum mit gut bis sehr gut benoten.«

»Also sind sich häufig meldende Mitschüler verantwortlich für die schlechten Noten der Tochter?«

Sie: »Ihre Mitarbeit entspricht aktuell einer Vier bis Fünf, ja.«

»Im Vergleich zu den anderen. Auf dem Bewertungsbogen ist unter Mitarbeit bei einer fünfstufigen Skala bei Mitarbeit zwischen zwei und drei angekreuzt. Ergänzt um den Kommentar: "Tendenz zur Besserung". Meine Frage bleibt bestehen.«

Sie: »Im Sportunterricht verweigert sie oft vollkommen. In Deutsch und Sachunterricht ist ihr Blick starr auf mich, durch mich durch oder auf die Tafel gerichtete. Sie träumt!«

»Stichwort Aktives Zuhören. Haben Sie ihre Aufmerksamkeit schon einmal durch plötzliches Ansprechen getestet?«

Sie: »Sie träumt, dessen bin ich mir sicher.«

»Da bin ich anderer Meinung. Viel schlimmer ist, das Kind hat mittlerweile eine Frustrationsgrenze überschritten, sie hat kapituliert. »Egal, wie sehr ich mich anstrenge, ich bekomme doch eh nur eine Drei«, sagt sie dann.«

Sie: »Da sind wohl sie als Elter gefragt.«

(ist baff)

Sie: »Weiter zum Thema Arbeitsverhalten, ihre Ordnung ist miserabel.«

»Inwiefern? Ihre Hausaufgaben sind pünktlich, vollständig, ihre Materialien in Ordnung, ihre Hefte haben keinen Knick.«

Sie: »Ich spreche von ihrem Schriftbild.«

»Ihr Schriftbild? In Ordnung, halten wir fest, neben dem Wiederholen und Festigen des Unterrichtsstoffs, der täglichen Motivation zum Melden und Mitarbeit, üben für ein verbessertes Schriftbild. Können Sie im Gegenzug vielleicht akzeptieren, dass das Kind einfach nur schüchtern ist? Und diesen Bewertungsbogen vergessen. Das ist kein Feedback.«

Sie: »Wir sind gesetzlich dazu verpflichtet. Was brächte uns Schöngerede? Ansonsten rutscht ihr Kind in den weiterführenden Schulen enorm ab. So wird sie wenigstens realistisch bewertet.«

»Dann wird sich für uns an den weiterführenden Schule ja nichts gravierendes ändern. Ihre schriftlichen Noten sind gut genug. Vielen Dank für das Gespräch.«

Vor s t e l l u n g s kra f t.

Du sagst: »Heirate mich heute Nacht!« Oder war das meine Stimme, die wie ein Stift so spitz angeschossen kam durch den Hauch von Nichts an Geräuschen? Wie dein Hintern mein ganzes Bild bestimmt. Meine Hand. Mehr und mehr braucht es nicht.

Parfum ist mit Haut verbunden wie meine Hände mit ihr: Überall, Überland, und unter der Linde, wenn wir die geklauten Pflaumen mit Zähnen und Zungen und tief Luft holen und Saft trinken, Fruchtfleisch überall, verteilen, auf dass neue Bäume wachsen mögen, durch unsere dem Spätsommer angedachte, geschuldete, entschuldbare Arroganz, durch reifliche Überlegung, still gestandene Gedankenwand, dagegen fahren mit der Wucht eines eisigen Sturmes, den letzten hoffentlich, sicher nicht. Eine jede Haut hat den ihr eigenen Duft nicht leicht zu verschenken, er muss erkämpft werden. Ertastet er, öffnen sich ihre Augen, obwohl geschlossen, von innen, öffnet sich eine Welt, ihre? Er ist nicht ich. Ich gönne es ihnen. Es ist mild in den Straßen und bald Frühling. Und ich, ich werde brennen — wie jedes Jahr.

Auftauchen.

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?

Aus'm Raum.

Ein großer, lauter Tisch. Ein Jahresgedächtnis. Ein Türengeklapper ist das hier, man möchte ihnen bunte Bänder anbieten und anbinden und anständig lang lassen, auf dass sie sich verwickeln, zwischen Gerenne und Fluren und Türen, und mitten im Gespräch aufstehen, ohne das Geplapper zu unterbrechen, auch wenn das Geklapper aufhörte, weil die Kinder sich verwickelten, um bunte Bänder, angebotene, angebundene und anständig lange zu lösen. Eröffnet die Spiele. Geht aus'm Raum. Rauchen in die Nacht hinaus. Konstellationen. Da, bleistiftgrau gezeichnete Wellenköpfe, gekringelt, verspielte, liniert, aufgebeult und aufgebäumte Bögen, einige zu Widerhaken ausgebildet, zum winkenden, nickenden, mitwippenden Wellenkopf. Im Takt der Musik. Man möchte auf'm Nachthimmel genau so gut mit Bleistift malen können wie auf weiße Tapeten. Und Grünen können. Zwischen Daumen und Zeigefinger die Glut abdrehen, fallen lassen und, kaum ein- und ausgeatmet, eintreten, einem Satelliten gleich, eingebunden werden, in bunte Bänder und Gespräche.

An: für sich (sein)

Ok, alles ist tot. Abgefunden. Wer sucht schon vergrabene Käfer, erstarrte Zwiebeln Fische, gräbt Zwiebeln aus, wollte nur noch ihnen sehen, sicher gehen, deckt sie liebevoll wieder zu, hält Knospen, flaumig oder voll geschmiert mit Harz, Hände hin, zum daran Wärmen? Einige, ich, sie, wir nicken uns kaum merklich zu, wenn wir uns sehen. Alles ist tot, damit wollen wir beginnen.

Bevor ich einschlaf', bleib ich lieber auf. Die Nacht, Geliebte! Am Fenster stehen, auf'm Balkon, unter den Sternen oder Birken stehen. Sture Straßenlaternen, antworten nicht. Straßenszenen, Bordsteine, ein Lokal, aus Fenstern fällt das wenige Licht auf im Gespräch zertretene Zigarettenstummel. Erregt rote Wangen, dabei ist es der Wind. Wir rücken näher zusammen, wenn es dunkel ist, wir Menschen. Dann sitzen wir an Eichentischen, liegen halb in Polstern oder lümmeln unbequem, aber wahr und stellen ein Wort nach dem anderen auf die Beine, für das Gegenüber, mit dem Gegenüber, einig, manchmal auch gegen das Gegenüber. Hauptsächlich mit. Wir sind selber eines.

Spiegeln sich zwei, lass sie — sie tun sich gut! Kühl und dunkel ist's, kaum Früchte zu verteilen. Was soll's? Ich bin gern für mich, und ich bin gern zusammen mit jemanden für uns. Bis es beginnt und der junge Frühling all dies sprengt und über die Felder und Straßenfluchten verteilt. Dann sind wir noch mehr. Wir werden alle sein.