Achtgeben,
das neue Highfiven.
Ein Freund1

1 — to:nulleins

Vom Verbergen.

In Wäldern.
Feldern.
Kleingartenanlagen.
Parks.
Schwimmbädern, unter Birken.
An Straßenecken, deren scharf geschnittene Schatten.
In fremden Treppenhäusern.

Brüste wie Versprechungen, wie Sommeräpfel in den Händen. Klar, saftig und sauer, wenn du nicht bekommst, was du willst. In rauen abgearbeiteten Händen halte ich diese Früchtchen. Die Knospen leise erregt. Du weißt, du gewinnst. Das macht dich sicher. Sonnenlicht führt meine Hand, dein negligéhaftes Nachthemdchen zwischen deiner und meiner Haut, in dein Höschen — ich halte dich. Du liegst in meiner Hand, weil du das willst. Ich reibe dich mit Seide auf, und nass und rot und geschwollen wie du bist, dringt das Sonnenlicht in dich oder mein Blick. An Pfirsichhaut, bitte. Honigspuren, du tropfst das Parkett voll.

Pur. Ich hab's probiert, zum Säufer werd' ich nie. Ich liege, den Zimmerboden im Rücken, überstrecke den Hals, um ja aus dem Fenster und die Wolken in ihrem Fluß sehen zu können. Ich hab' mir meine Zukunft noch nicht ausgemalt. Licht, Luft und Sonne für alle. Ein Bindfaden am kleinen Finger. Als ob Schleifen halten! Wohin führt das nochmal?

fig.

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?


Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?

Elektrisches Licht, ich weiß jetzt wieder wie es aussieht. Hosenbeine, zum Reinlegen schön, geäderte Arme, meine, Schweiß läuft, Atem geht tief rein/raus. Tanz. Setz dich auf meine Hand. Fingerspitzen an deiner Hosennaht, das Becken kippen, zittern über hunderte Kilometer hinweg.

Bei all dem Getanze, all dem Exzess, zwischen dargebotenen, ausgestellten Körpern, schneller Feierei Tränen der Schönheit vergossen. Festgestellt, im Blitzlicht einer Bühnenshow in den vorderen Reihen, ich werde immer alleine sein. Ein ermutigender Gedanke. Sind Gedanken nicht schneller, umfassender, klarer als Sprachbilder, ungenügende? Wenn dann verstehen andere, auch dir nahe stehende, nur Fragmente deiner Selbst — sind sie denn genügend übersetzt in die Bilder, die ich annehme, dass sie sie verstehen wie ich sie meine. Und: Es ist keine Schande allein zu sein. Wir sind es alle. Wenn wir sachte miteinander sind, können wir uns auf eine gemeinsame Sprache einigen. Mit der Zeit.

Ich bin mal wieder unhaltbar rasend schnell verwoben mit der Umgebung. Meine Arme sind der stille Fluß, der Kopf die nachts arbeitende Bäckerei, die Bäume, der Weg, das Gebäusch, meine Beine. Zöge ich das T-Shirt aus, das bisschen Restlicht reflektierte, die Wasseroberfläche mein Brustkorb, Herzklappenforellen. Im Fluß schwimmt die Nacht. Im Hocken kommt der ungestüme Wille hier die Nacht zu verweilen, Sternschnuppen und die Angst: Ich bin ja unsichtbar. Schlaf findet mich immer, Mädchen im Grünen.

Das bisschen Laken, das ich zum Schlafen brauche, um die Hüfte gewickelt. Nackte Haut ist Kleidung, Kaiser. Unterm offenen Fenster liegen, der warme Wind streichelt mich tagwarm. Auf! Auf auf!

 

Die Tochter hat von Erwachsenenproblemen gekostet obwohl ich es ihr strikt verboten hatte. Ihr strikt verboten hatte Erwachsen zu werden ohne mit Verlieben anzufangen.

Sie können ja gar nicht sortieren!

Gedächtnisstützen, dies nur: Aufmachen, Orangerote Lider von innen, farbenblind, türkisfarbene Flecken, im Hinterhaus einem fremden Treppenhaus den Schatten stehlen, offene Tür, Wasser aus der Handschüssel trinken, den Rest auf der Stirn verteilen, im Nacken, Gardinenfenster jede halbe Treppe, fliegen, die Fliesen fußwarm, ein Hand ums Geländer, Händchen halten, alle Treppen, ob halb oder ganz, mit Geschwindigkeit nehmen. Ich bin Luftzug. Flatterhafte Gardinen sanft berührend, Fingerspitzen zentimeterleise Zeitlupe. Nana.

Meine Sommer tragen Frauennamen, und seit ich das erdacht und gesagt habe stimmt das auch.

Der Bleistift machte mir eine Notiz, weil ich zu sehr brannte: »Sie setzt mich unter Strom.«

auch:
Im Winter sind die Bäume nackt und wir in Federn gewandet und im Sommer sind die Bäume satt und grün und wir nackt und bloß.

Der kurze Moment, in dem das Wasser im Zehnlitereimer, mit beiden Armen über den Kopf gehoben und gedreht, die Zentrifugalkraft verliert, die Schwerkraft bemerkt, sich besinnt, doch fällt, angezogen wird, auf der heißen Haut aufschlägt, von den Schulter, den Sonneninseln spritzt, fließt, hinab wie zärtlich suchende Hände Liebender in der Nacht, tiefer, in den Schoß, sich verteilt, so rasend schnell, die Tatsache, dass es kaltes, klares Wasser ist, im Hirn ankommt, der Herschlag beschleunigt, der Atem ausstößt, huht oder ahht, sich ein Lachen bildet, mit Wassertropfen an den Lippen, den Wimpern, überall hängend, kühlend, weggeworfen, noch fliegend, im Licht der heißen Sonne wie Diamanten glitzernd, Millarden Blickfänge, den Fokus verlieren, des leichten Glücks. Es ist alles so einfach. Nochmal!

gezeichnet:
Bergketten
Wellenkämme
Gänsehäute weiblicher Brüste
Motorhauben, Lichtkegel in die Nacht, fallen partout nicht in Seen
Spatzen

Ein Rhabarberblatt als Sonnenschirm in der Hand sich blau färbenden Pflaumen wie Samt durch die Vertiefung streicheln.

 

»Aber ich werde nichts sagen
Denn ich habe nichts zu sagen
Ich glaube an das, was ich liebe
Und ihr wißt es nur zu gut.«

Boris Vian — Der Politische

Amore.

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?

[001Sur nous les étincelles du soleil 002Verlass die Stadt 003Youth 004Scum, Rise! 005Exit only 006Slow down 007Void 008If only two 009Poupée de cire 010City on the Hill 011Morgen breche ich aus 012On the Motorway 013Predator 014Runway J 015Rebelier 016Strange Dreams 017RFLX 018No Future 019Passing Strangers feat. Countess M. 020It's not over 021Ich öffne mich 022This Dark Desire 023Stehengelassene Weinflaschen 024Here I belong 025Every single Night 026Summer of Love 027A Sweet Summer's Night on Hammer Hill 028If I... 029Forgive and Forget 030Te Amo Camila Vallejo 031Haven't Been to the Ocean Sense 032Women driving, Man sleeping 033Weißer Rauch]

→Nimm' ein Mixtape, Baby!←

ff.

So flirrend heiß, wir liegen nur mit Badesachen bekleidet in einer vom Gewitter hinterlassenen Pfütze, die Arme unterm Kopf gelegt, die Beine angewinkelt, warten aufs nächste und reden — reden miteinander.

Binnenschifffahrt im Raum.

Die Lippen blau vom mit offenen Fenstern Autofahren stand ich da, am Fluß. Einmal am Ufer, mehrfach in den Weinbergen oder auf der Burg, mein Blick suchte und fand das Nass. Biegungen machte das beruhigend konstant dahin fließende Wasser in die Landschaft, schob. Manchmal war es grün oder braun. Schiffe unterwegs mit einer an Gleichgültigkeit grenzenden Geschwindigkeit — sprach da Neid oder romantische Sehnsucht? Ich sagte: »Binnenschiffer winken zurück, wenn man sie grüßt.« und niemand der umstehenden Anwesenden reagierte darauf. Wahrscheinlich flüsterte ich zu leise.

Vogel Storch, das ist mein Name.

An einem heißen Nachmittag. Weltentwürfe. Mauersegler leben oft monatelang in der Luft. Statt Anker deren Silhouetten auf'm Oberarm tätowieren lassen, wäre wenigstens ehrlich gelogen: Fixpunkt, wir sind flüchtig! Ich mach' die Augen zu und wünsch' mich ins Zentrum der Leidenschaft zurück. Eingecremt von Kopf bis Fuß. Wie die Haut so müssen die Wälder brennen. Jede einzelne Nacht. Mohnblumen und Korn. Die Stelle zwischen den eigenen Schulterblättern die man gerade noch mit den Fingerspitzen erreicht ist feucht und warm von der Nacht. Im Schlaf in Schultern blättern wie Wellen rollen. Tropfen bilden, die, honigsüß und klar, Regentrude lecken. Umfließen lassen, den ganzen Mund voll.

Wir werden lethargisch sein.