Achtgeben,
das neue Highfiven.
Ein Freund1

1 — to:nulleins

Nur nicht aus Liebe weinen.

Du wirst eventuell vergessen werden.

Unentwegt überschlagen sich Ereignisse. Stimmengewirr. Gewusel. Beine. Körper. Ich weiche Menschen aus, die um einiges kleiner, aber vehementer sind. Verunsicherung. Ein Chor Mädchen hebt an in meinem Kopf unter Kopfhörern. Staunen. Stehen. Ich muss nicht immer rennen.

In einem vor Dreck nur so starrenden Innenhof riecht es an der einen, kaum einsehbaren Stelle nach Frau und Erregung. Ein Parfüm wie in der Nacht vergessen und stehen gelassen. Im Stehen nehmen und bleiben, irgendwie.

 

»Ich tanz' die ganze Nacht. Und trotzdem bin ich allein. Ja!«

Gustav

Alles ist brutal, alles ist helllicht.

Kleine Haut, klirrt klar, tiefer brummt der Ton der Berührung. Erregung, Gier, steigern, unermesslich — platzt, entspannt. Windsonne, Gedanken machen, Sonnenwind. Kleinigkeit, zu sagen, Regentropfen stellen sich auf meine Schultern, meinen Brustkorb, meine Stirn, sammeln sich in Augenhöhlen, zu sagen, sie kühlen ungemein. Sie verprügeln mich. Sie sagen: »Komm' endlich zur Ruhe!«

Du sagst: »Kunst ist Entspannung.«
Ich nicke und verstehe nur halb.
Du sagst: »Angenommen du saßt den ganzen Tag am Rechner. Ob du nun nachdachtest oder tatsächlich programmiertest. Dein Hirn ist eingeschliffen, dein Körper obendrein. Auf die Aufgabe fokussiert. Sie gewöhnen sich im Laufe des Tages an die Tätigkeit. Entspannung ist Abwechslung. Liegst du nun und zeichnest, schreibst, hörst oder tanzt exzessiv, es ist genau genommen egal, was du tust, solange es nicht das ist, was du den ganzen Tag gemacht hast, entspannt es dich. Spazieren gehen ist entspannend, weil wir viel zu viel sitzen.«
»Spazieren ist keine Kunst!«, sage ich und korrigiere mich augenblicklich: »Spazieren gehen ist Kunst, keine hohe, aber Kunst. So wie wir es betreiben mit Sicherheit.«
»Wind auf der Haut. Die Nase, die Ohren ausklappen, umher schweifende Augen, anfassen, prüfen, sprechen, schleichen, rennen, Atem einholen, über den Feldern, sein.«
»Du sagst es.«

(gekürzt)

und unser Wunsch nach festem Boden.

Satzfetzen, Nebenwege, Traktoren. Das nahezu menschenleere Freibad stürmen als wären wir die letzten einzigen Menschen, rücksichtslos, knalllaut, frei von Verlust und Angst, abtauchen. Es ist uns egal. Ist es nicht — wir wollten es so! Werde ich meine Tochter jemals loslassen können?

Kritisch denken, kleine Nacht.

Morgenatem.

#

Unersättlich suchen wir Flaum im Lichtschmutz der nächtlichen Stadt.

Wasserfarbe.

Wie weit geht Faltenwurf, wo fängt Aufknöpfen an?

Zweite Haut.

Am S-Bahnhof Zeilsheim wächst ein Pfirsichbaum. Auf einem Abräumhügel, der, wenn er überhaupt eine Funktion besitzt neben dem Stützen der Bahnschienen, Auffangbecken ist, für allerlei Müll, Unrat, Samen, Wildwuchs und -pflanzen, und Aschenbecher. Den Pfirsichbaum wird wohl jemand achtlos hingeworfen haben, als halb abgelutschten Kern, als angebissene Frucht, als Wurfgeschoss gegen die Alltag genannte Betonmauer gedonnert. Vielleicht war das Fruchtfleisch bitter, wie die Scham einer Frau bitter oder nussig schmecken kann. Süße — als ob das Alles wär'! Am Frühabend hält der Pfirsichbaum seine rosigen Früchte ins tief stehende Licht. Ich halte im Laufen inne, Sekunden später einen Pfirsich in der Hand. Er schmeckt mir.

Ich laufe andauernd dieser Tage. Ständig ist irgendwas. Die Straßen alt und schmal. Das Dunkelgrün der Platanenallee. Erst gestern als ich Licht aus der Gießkanne trank. Mich ertränkte. Fahl, die Sonnenschirme in den Innenhöfen, wenn sie, ihrem Zweck ausgesetzt, schützen, dabei leuchten, von innen heraus aus sich herausgehen, dann stehe ich ihnen bei. Fleckige Felder, der Sommerweizen ist noch nicht ausgebracht. Dafür brennen die Grille. Stadtteil entzünden, mit Haut. Stets und ständig gehen meine Turnschuh' mit mir wohin ich will. Klaue, kaue und trage Pflaumen wie ein Baby auf dem Unterarm. Herb. Bauchgefühl austragen.

Salzig fließt deine Rückenlinie. Gar nicht genug Fingerspitzen haben.

Öffnungszeiten: Juni, Juli und August

Zwei, oder: eine kritische Masse tanzt.

 

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?

Selbst gewunden fällt das Benennen der Sekunden schwerer denn je. Bin ich eigentlich schon mal da gewesen? Gegen Abend das erste Atmen des Tages in Rauch auflösen, der Balkon ohne Dach das Schutzschild. Schwalben fand ich dort am Firmament und sie tanzten ihr Abendbrot tot. »Es ist alles so einfach!«, singsangen sie und sie haben recht. Still dancing, immer einen Schritt mehr ins Zwielicht hinein, lass ich das Atmen und gehe nahtlos ins Lachen über. Ich bin bereit.

Du kannst das gerne anmalen, mit Papierhut, doch lass uns kopflos sein! Gaslaternengelb gegen überblendet Sonnenflut und sauerkirschrot.

Wir sind nutzlos.

Der größte Trost des Futurs, sehenden Auges hinein laufen und verschwinden — Verloren ging ich nie, auch wenn ich das oft wünschte. Wund reibt der Wind die Haut und wund auch das Verlangen nach kühler, weißer Haut, im Laken. Dein Lippenrot, vonnöten. Hier und dort — zeigt auf — und dazwischen auch. Voll gestellte Pflaumenbäume vom windigen Lenker aus beobachten, darauf lehnen, nicht daran, Pflaumen, so blau. Geworfen wohl auch 'ne Option. Selbst flammend Trotz niedergezwungen seh'n und sich, unter Wolken stellen, sie verfolgen, weil die Haut, einmal, nur einmal, nun andauernd, im Schatten so schön brennt. Ich steh' in Flammen wenn die schlichten Nadelstiche, die dicktropfiger Regen auslöst, mich erreichen. Bewiesen. Lebt. Solange ich taub bin, höre ich mich. Und sehe eine mir gereichte Hand.

Knisternd Haut, als flösse Strom in spitzen, heißen Schreien — gebend nehmen. So wie Sonnenhaut riecht.

Wie kleine Bomben schlagen die Mähdrescher auf den Kornfeldern der schnellen Befriedigung ein. Wimpelketten möchte ich ihnen anhängen, nackt, nachts auf auskühlendem Beton liegen, schwarzer, friesischer Tee dampft bis der Lichtschmutz der städtischen Nacht beschlägt.

neu
bevorzugen
korallenfarbene

Variationen Weiß.

Gardinen, Tischläufer und -decken, Halstücher, Handtücher, altmodische Taschentücher, die mit Spitze, Geschirrtücher, hauptsächlich Gardinen aufspannen, Schatten bilden, vielleicht ein Haus, ein Zelt, ohne Dach, aus Stoff, die ganze Stadt einladen, unter die Obstbäume, über den Feldern, da, ur und einst und wunschgemäß Tische mitbringen und leichtes Essen, Gespräche, brennenden Schnaps, Wasser, Brause lachen von Sonnenuntergang bis -aufgang und noch einmal, weil es so schön war. Die Zeit vergessen. Ja, vergessen wie Pflaumen sich anfühlen.