Achtgeben,
das neue Highfiven.
Ein Freund1

1 — to:nulleins

Märchen von Morgen.

Die Flächen die den Vorstadtstadtteil einrahmen und zusammenhalten liegen brach und etwas schöneres konnte mir der dazugehörige Bauer kaum antun.

Fenster in Wohnungen müssten so weit oben angebracht sein, dass man sich strecken müsste, um aus ihnen hinaus in die Welt zu sehen. Das Erahnen der vom Sonnenlicht gewirkten Blätter eines Baumes, vielleicht ein Ort für ein Haus in den Wipfeln, angeseilt und festgenagelt, eingelegt und unter der einbrechenden Nacht im weißen Laken, das gegen Mücken, einschlafen. Oder, vielleicht will ich auch nur wieder Kind sein.

Verantwortung tragen hat nur bedingt etwas mit Atlas' Weltkugel auf dem Rücken zu tun. Verantwortung ist kein gleichmäßiges Gewicht das drückt und das du tragen musst. Es ist vielmehr ein Spielball. Du kannst ihn werfen, prellen, passen, in der Luft halten, beim Aufkommen zusehen. Du kannst ihn beschützen vor den anderen Kindern, du kannst ihn in der Ecke liegen lassen, unbeobachtet und unbedacht — es ist immer dein Ball. Deine Verantwortung, dein Ball. Du musst ihn holen, wenn ihn jemand wegschießt, egal ob du zuletzt am Ball warst. Das ist der Spaß. Er gehört dir, und wenn jemand den Ball immer wieder wegpfeffert, darfst du denjenigen nicht verprügeln, bis er blutet und verspricht, es nie nie wieder zu tun. Das ist Verantwortung. Verantwortung für Kinder ist so viel schöner.

Wildes Land Vorstadtfelder, überland, allenthalben Klatschmohn, Schafgarbe, versprengte Korn- und Wildblumen. Die Turnschuhe sind so dünn, der nasse Boden dringt in sie ein. Ich turne nicht mehr, ich bleibe stehen, so gut es geht, ich taumele. Der schwere Duft der Blüten durchdringt, erfüllt die Luft. Die Lungen, das Herz, der Anblick, der Geruch. Es könnten Schüsse fallen, eine Maschinengewehrsalve könnte mich niedermähen, ich würde verbluten. Im Grünen, im Mohnrot liegen und lächeln.

Der Unversehrtheit halber: Die halbe Nacht, in einem fort, Gräser gestreichelt um mich selbst zu beruhigen, im Traum — das muss man sich mal vorstellen.

fig.

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?


Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?


Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?


Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?


Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?

zig, keine Steigerung

Selbst winzig kleine Vorstädte besitzen diese Straßenzüge, in die sich nie eine Mensch verirrt, selbst die Bewohner meiden sie so gut es geht. Die Straße ist nicht von dieser Natur, sie verbindet, ihre Anreiner sind es. An sich ist sie eine Allee, gesäumt von Kastanien, aufgestachelt und angespitzt von weißen bis fleischig rosafarbenen Kerzen bilden diese Kastanien einen Tunnel und verbinden das Oberdorf mit dem Unterdorf. Die Bewohner des Stadtteils sind nicht in der Lage diese eingefleischten Begriffe fallen zu lassen, obwohl sie seit Jahren eingemeindet sind. Die Allee, die Straße trennt und verbindet das Oberdorf und Unterdorf. Der Versuch, ein Schulgebäude zwischen beide zu pflanzen, als Gegengewicht zum Feld auf der anderen Seite der Kastanienallee, scheiterte. Die verbindende Trennung blieb. Natürlich versorgt das Kraftwerk im Oberdorf die umliegenden Stadtteile mit Warmwasser und Strom und darauf sind die Bewohner stolz, auch darauf, dass, wenn ein Spaziergänge müßig gänge, er vom äußersten Winkel, in dem auch das Wärmekraftwerk steht, am Lenin - Denkmal vorbei, über den Park mit der Kneipe mit der kühlen Faßbrause, am Fluß entlang, am Wehr vorbei, die Straße entlang, durch die Allee ins Unterdorf zu laufen — dieser jemand müsste nicht ein einziges Mal das Blätterdach über sich missen. Aber dass die Bewohner deswegen ihre Einteilung in Ober- und Unterdorf vergäßen, mitnichten!

Die Allee ist eine die sich windet, von Kopfsteinpflaster eingefasst, zu beiden Seiten sich absenkend, so dass man genau genommen obenauf auf einer Röhre läuft, jeder Moment Gefahr, jeder Schritt ist ein Ausbalancieren, ein Stolpern, taumelt das? Er winkt den langfingrigen Blättern der Kastanien zu, dabei ist ihre Langfingrigkeit noch nicht vollends ausgeprägt. Ihre schon. Sie, vom Weg angestaubter, doch definitiv kirschroter Lippenstift. Gängiger Atem, ihr Brustkorb hebt und senkt sich, die einprägsamen Brüste, der Hitze geschuldet, die auch unter den Bäumen nicht nachgibt, angeweht kommt, vom Wind. Schlüsselbeine, offen liegende, zum Küssen, eine Hüfte, ein Traum. Das Flattern ihrer Kleider lässt erahnen, latent liegt Gier im Raum, weichere Haut gab es nie. Er war mit einem ruhelosen Geist ausgestattet und geschlagen. Das Feld, bestellt, fliegen von irgendwoher die kissenweichen Pollen der Pappeln herüber, sammeln sich im Rinnstein neben von Frühlingswinden abgeschüttelten Kastanienblütenfetzen. Er sieht sich um und raucht, läuft wieder. Über den Gang ihrer Beine: Interessier mich! Balancier mich!

Einfach hören.

Sie fingen an, die Obstkisten auf der Suche nach Vollkommenheit zu durchwühlen.

Den Arm mit Birkenhaut tätowieren lassen. Pfingstrosenbrustkorb. Spätfröste. Das Kleid lüpfend drehen. Diese Gänsehaut kurz vor den Warzenhöfen, ohne sie zu sehen. Ich sehe nicht nach. Das ist das Spiel. Ich ahne.

Unter Strommasten, in der verwinkeltsten Gartenanlage der Stadt, an den Rapsfeldern (Hellgelb messen), die Pferde wiehern und die Kleingärtner reden von Regen.

Wärme, die das T-Shirt durchdringt und nicht die eigene ist. Wahrscheinlich ist es das.

Manieren, ein Sturm, sind mit Schiefer gedeckte Fassaden. Backsteinbauden. Sie folgen einem treuen Muster, das, jederzeit, im Rahmen, neu gelegt und formbar ist. Ein Federkleid bauen, eines dass einfärbt, Farbübergänge so geschickt bildet, erst möglich macht, und aufplustern, mit einem Schütteln sich aufbauschen, ausatmen, wieder sortieren. Ich wüsste nicht einmal, welche Farbe ich wählen würde. Alle Farben, alle Samt.

Reuzenzonnebloem.

Wie ein Scheibenwischer der Nacht, der, weit den Kopf in den Nacken gelegt, weiter reicht als ich sehen kann, wischt der Leuchtturm am Horizont Licht über den mit Sternen gesprengelten Himmel. Wischen, Pause, Pause, Wischen, Pause, Pause. Taktgeber, den Herzschlag ersetzen. Nur Atmen muss man alleine. Wischen, alle Sterne wieder da. Riesensonnenblume lachen.

Blaupause einer Blaumeise.

Es ist nur ein Bild,
suchend nach seinem Nest.
Es weiß nicht von seinem weißen Blatt, vor dem ich stehe.
Es weiß nicht das es mich fürchten lässt.
Warum ist mir so leicht bange?
Bild, warum kannst du mich einschüchtern?
Bin ich nicht mehr Teil deines Lebens dann?
Bin ich nicht mehr Willkommen dann?

Dürers Junger Hase, Querschnitt. Angegriffen, unter Last, ~ Lastern, ich ziehe mein Leben an mir vorbei. Klar bin ich präzise, fristgerecht, handlungsfähig und eine Waffe, jedoch, im Tran und benebelt, schlaftrunken anders. Zwei Wünsche verfestigen, griffig Überland, Übersee, Wald, atmend laufen, gehen, wenn mich der Flitz packt, rennen, Rotzfrech und Streifen die rauschen. Atem als Nutzlast, Zweck, Befreiung, lange, Raum greifende Schritte, Schnitte von Ästen im Gesicht, lachen, laut. Ha!, rufen. Und Raps! Raps- und Tulpenfelder. Blaumeisen, ultramarinblaue, zu hunderten hinein werfen, sie mögen, so der fest Wunsch und die Hand, Nestbau betreiben, eine Hängematte im Hain oder einen Dachstuhl meinen, vom Sonnenlicht der durchdringenden Ziegelritzen durchbrochen, geborgen, im Schein dessen, im Staub tanzen, famos, filigran vielleicht, so leicht es der Körper zulässt. Liegen, mit dir dort. Ein weiße Gardine die dein Kleid sein soll, es ist. Ein Weiß das so blendet, doch nicht übersieht, durchscheinen lässt, was deine Haut mir antut. Eingerieben, aufgestanden. Du tropfst die alten Dielen voll mit mir, uns. Ich sehe die Sonne an. Rotkehlchen, gestillte Erregung ausatmen, Blühen, erblühen.

blickdicht

Du solltest es gesehen haben, am Blick meiner Augen. Du solltest meine Stimme drehen hören als es darum ging.

Die meisten Menschen sehen konzentriert schöner aus als verträumt. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich mich zuletzt rasierte. Wenn ich meine Augen verrenke, kann ich es vielleicht sehen? Nein. Aufblicken vom Nachdenken, ein Vogel sieht dich ernst an. Jemand fragte mal: »Haben Sie sich schonmal grundlegend geändert?« und ich antwortete leichthin: »Nein. Obwohl, ich kann es gar nicht sagen. Das muss ein Außenstehender beurteilen. Soweit ich weiß, noch nicht.« Ich glaube, ich ändere mich gerade.

Sieh nach hinten, wenn du gehst.

Meinen ersten Kuss, meinen ersten richtigen Kuss, empfing ich nicht, ich gab ihn und bekam so vieles. Ich schrieb ihr einen Zettel, ein Gedicht, auf dem ich ihr vorschlug, zur Güte, ihr Gesicht zu küssen, die Stirn, die Wangen, die Nasenkuhle, das Kinn, die Lippen. Es war eine Bitte, ein Werben, ein Hoffen und ein Bangen, Minne mein, sie erhörte mich, trotz Freund. Unter der Brücke sollte es geschehen, an der Trauerweide, hinter ihrem mächtigen Stamm versteckt, fremden Blicken entzogen und im Angesicht des ewigen Wasser. Zittern vor Aufregung und endloses Herantasten. Ich wollte nicht dass es aufhört. Ich weiß heute noch wie ihre Lippen schmecken. Auch als ihr Freund Wind bekam, uns erwischte, mich niederschlug, das Blut floß, meins, ich mich gar nicht verteidigen konnte, er wie aus Zufall in meinen Ellenbogen lief, ich erst recht abbekam, zitterte ich noch und schmeckte sie ganz deutlich. Wir waren elf Jahre alt.

Hardcore will never die, but you will.

»Fest steht, daß sich trotz angetretenem Gaspedal bald wieder der alte Mogwai-state-of-mind einstellt, diese Mischung aus Melancholie, Zerstörungswut, Zärtlichkeit, Triumph und dem Gefühl, eine mindestens 50 Meter hohe Walze aus angelaufenem Silber zu sein.«

 

Sie ist dir unbekannt. Sie lächelt und du siehst ihr an wie ihr erstes Lächeln als Kind entstand. Sie trägt es noch.

 

Die ganze Vorstadt ist so nass, man möchte sie auswringen und zum Trocknen irgendwo aufhängen. Am besten in der Sonne, aber die scheint ja nicht und mit so einem Stadtteil unterm Arm kann man nicht allzu weit laufen. Auf einem nicht unnötig abgeschlossenen, unbebauten Grundstück, wahrscheinlich verkauft, verwildert, zwischen sich kuschenden Sträuchern finde ich die Boten. Einander zugeneigt flüstern sich platschnasse Osterglocken Gelb ins Ohr.