Achtgeben,
das neue Highfiven.
Ein Freund1

1 — to:nulleins

Einfach hören.

Sie fingen an, die Obstkisten auf der Suche nach Vollkommenheit zu durchwühlen.

Den Arm mit Birkenhaut tätowieren lassen. Pfingstrosenbrustkorb. Spätfröste. Das Kleid lüpfend drehen. Diese Gänsehaut kurz vor den Warzenhöfen, ohne sie zu sehen. Ich sehe nicht nach. Das ist das Spiel. Ich ahne.

Unter Strommasten, in der verwinkeltsten Gartenanlage der Stadt, an den Rapsfeldern (Hellgelb messen), die Pferde wiehern und die Kleingärtner reden von Regen.

Wärme, die das T-Shirt durchdringt und nicht die eigene ist. Wahrscheinlich ist es das.

Manieren, ein Sturm, sind mit Schiefer gedeckte Fassaden. Backsteinbauden. Sie folgen einem treuen Muster, das, jederzeit, im Rahmen, neu gelegt und formbar ist. Ein Federkleid bauen, eines dass einfärbt, Farbübergänge so geschickt bildet, erst möglich macht, und aufplustern, mit einem Schütteln sich aufbauschen, ausatmen, wieder sortieren. Ich wüsste nicht einmal, welche Farbe ich wählen würde. Alle Farben, alle Samt.

Reuzenzonnebloem.

Wie ein Scheibenwischer der Nacht, der, weit den Kopf in den Nacken gelegt, weiter reicht als ich sehen kann, wischt der Leuchtturm am Horizont Licht über den mit Sternen gesprengelten Himmel. Wischen, Pause, Pause, Wischen, Pause, Pause. Taktgeber, den Herzschlag ersetzen. Nur Atmen muss man alleine. Wischen, alle Sterne wieder da. Riesensonnenblume lachen.

Blaupause einer Blaumeise.

Es ist nur ein Bild,
suchend nach seinem Nest.
Es weiß nicht von seinem weißen Blatt, vor dem ich stehe.
Es weiß nicht das es mich fürchten lässt.
Warum ist mir so leicht bange?
Bild, warum kannst du mich einschüchtern?
Bin ich nicht mehr Teil deines Lebens dann?
Bin ich nicht mehr Willkommen dann?

Dürers Junger Hase, Querschnitt. Angegriffen, unter Last, ~ Lastern, ich ziehe mein Leben an mir vorbei. Klar bin ich präzise, fristgerecht, handlungsfähig und eine Waffe, jedoch, im Tran und benebelt, schlaftrunken anders. Zwei Wünsche verfestigen, griffig Überland, Übersee, Wald, atmend laufen, gehen, wenn mich der Flitz packt, rennen, Rotzfrech und Streifen die rauschen. Atem als Nutzlast, Zweck, Befreiung, lange, Raum greifende Schritte, Schnitte von Ästen im Gesicht, lachen, laut. Ha!, rufen. Und Raps! Raps- und Tulpenfelder. Blaumeisen, ultramarinblaue, zu hunderten hinein werfen, sie mögen, so der fest Wunsch und die Hand, Nestbau betreiben, eine Hängematte im Hain oder einen Dachstuhl meinen, vom Sonnenlicht der durchdringenden Ziegelritzen durchbrochen, geborgen, im Schein dessen, im Staub tanzen, famos, filigran vielleicht, so leicht es der Körper zulässt. Liegen, mit dir dort. Ein weiße Gardine die dein Kleid sein soll, es ist. Ein Weiß das so blendet, doch nicht übersieht, durchscheinen lässt, was deine Haut mir antut. Eingerieben, aufgestanden. Du tropfst die alten Dielen voll mit mir, uns. Ich sehe die Sonne an. Rotkehlchen, gestillte Erregung ausatmen, Blühen, erblühen.

blickdicht

Du solltest es gesehen haben, am Blick meiner Augen. Du solltest meine Stimme drehen hören als es darum ging.

Die meisten Menschen sehen konzentriert schöner aus als verträumt. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich mich zuletzt rasierte. Wenn ich meine Augen verrenke, kann ich es vielleicht sehen? Nein. Aufblicken vom Nachdenken, ein Vogel sieht dich ernst an. Jemand fragte mal: »Haben Sie sich schonmal grundlegend geändert?« und ich antwortete leichthin: »Nein. Obwohl, ich kann es gar nicht sagen. Das muss ein Außenstehender beurteilen. Soweit ich weiß, noch nicht.« Ich glaube, ich ändere mich gerade.

Sieh nach hinten, wenn du gehst.

Meinen ersten Kuss, meinen ersten richtigen Kuss, empfing ich nicht, ich gab ihn und bekam so vieles. Ich schrieb ihr einen Zettel, ein Gedicht, auf dem ich ihr vorschlug, zur Güte, ihr Gesicht zu küssen, die Stirn, die Wangen, die Nasenkuhle, das Kinn, die Lippen. Es war eine Bitte, ein Werben, ein Hoffen und ein Bangen, Minne mein, sie erhörte mich, trotz Freund. Unter der Brücke sollte es geschehen, an der Trauerweide, hinter ihrem mächtigen Stamm versteckt, fremden Blicken entzogen und im Angesicht des ewigen Wasser. Zittern vor Aufregung und endloses Herantasten. Ich wollte nicht dass es aufhört. Ich weiß heute noch wie ihre Lippen schmecken. Auch als ihr Freund Wind bekam, uns erwischte, mich niederschlug, das Blut floß, meins, ich mich gar nicht verteidigen konnte, er wie aus Zufall in meinen Ellenbogen lief, ich erst recht abbekam, zitterte ich noch und schmeckte sie ganz deutlich. Wir waren elf Jahre alt.

Hardcore will never die, but you will.

»Fest steht, daß sich trotz angetretenem Gaspedal bald wieder der alte Mogwai-state-of-mind einstellt, diese Mischung aus Melancholie, Zerstörungswut, Zärtlichkeit, Triumph und dem Gefühl, eine mindestens 50 Meter hohe Walze aus angelaufenem Silber zu sein.«

 

Sie ist dir unbekannt. Sie lächelt und du siehst ihr an wie ihr erstes Lächeln als Kind entstand. Sie trägt es noch.

 

Die ganze Vorstadt ist so nass, man möchte sie auswringen und zum Trocknen irgendwo aufhängen. Am besten in der Sonne, aber die scheint ja nicht und mit so einem Stadtteil unterm Arm kann man nicht allzu weit laufen. Auf einem nicht unnötig abgeschlossenen, unbebauten Grundstück, wahrscheinlich verkauft, verwildert, zwischen sich kuschenden Sträuchern finde ich die Boten. Einander zugeneigt flüstern sich platschnasse Osterglocken Gelb ins Ohr.

Mauern, Fenster, Gründe.

HOCH HINAUS. Ausgetrieben, vermummt, noch, still, star, jederzeit bereit, sich gegen aufkommenden, bissigen Frost zu wehren, ein Versuch, fest, wenn man sie berührt, liebevoll und mit zarter Handwärme, verpackt in rissiger, angerauter Haut. Ihre Farbe ist noch fahl, fehlfarben, ein schmales Abbild dessen was werden kann und werden wird. Mir fehlt das Sonnenlicht. Ihnen auch.

Lindgrün hinter die Ohren, als Parfüm tupfen.

Glänzt und Fleisch, heißen Atem herunter geschluckt, Tränenwasser in den Bauch geatmet — all das ist Zorn, und Liebe. Dabei waren die Voraussetzungen ausgezeichnet. Die Regen fiel getrieben und bestärkt vom Wind nahezu waagerecht in die Gesichter, unter die Schirme der Umstehenden. Ein einsamer Hügel, Trauer, kahle Bäume, Krähen, alles da. Ich fror. Meine Hände blau und ungestüm zitternd, das linke Bein, sonst so stark im Antritt und fest, flatterte Hosenbeine. Wir warteten. Ich sah den Wolken zu, wie sie verwehten und verregneten. Bis ich an der Reihe war, war das Blüttenblättergefäß längst leer. So viele waren gekommen, Abschied zu nehmen. Ich sagte: »Danke, Stefan!« und träufelte Erde ins Grab. Erde passt, zu mir, der Situation, ihm. Er war so bodenständig. Als meine mittlerweile verwurzelten Füße sich endlich vom Erdreich lösen, möchte ich nur noch heim, weinen, doch es regnet sehr stark. Die Autobahn ist ein Wasserschlauch feinster Tropfen und lässt uns kaum durch. Ich möchte nicht reden, ich möchte weinen, und rede doch. Von Belang, lauter als mir zusteht, leise indes tobt es in mir. Diese Autobahn ist eine zähe Melasse. Zuhause Kuchen, Gesprächsversuche, abgebundene, kaffeetassenwarme Hände. Als alle gegangen sind, ich Luft geholt habe und sitze, ausatme, kommen endlich die Tränen. Ich, der mir ständig die Tränen kommen, gern und stolz, wegen schönen Dingen und Kleinigkeiten, überwinde mich, und verabschiede mich tatsächlich.

Tageslicht bricht auf.

Es steckt eine Müdigkeit in diesen Tagen der Verlängerung, die allen Menschen die ich kenne, die man trifft anheimliegt, sie alle vereinnahmt, die auch mich verschlänge, wenn ich nicht meinen Winterschlaf hielte. Einigeln vereinsamt — es zum aus der Haut fahren. »Als wäre alles, für das man keine Worte findet, gleich undenkbar.«

Unter Vorsatz: Schreiben, sich, auf, weil es mir gut tut und die Zeit einteilt, die Zeitverfluggeschwindigkeit, die Schöne, gute, wenn schon nicht ausbremst, zumindest fühlbar macht, und nachlesbar, falls ich mich frage, fragen sollte: Wo war ich? Es ist mittlerweile Februar. Grün und Silber. Das Meer. Ich gebe mir Mühe, was nicht immer einfach ist.

»Sachte«, sagte er.

Wieviel Werkzeug braucht der Mensch?

[001Prolog 002My Girl was a Ballerina 003She's dancing 004Avantgarde 005Madeline 006To the Bone 007Stale by Noon 008Nackte Angst zieh dich an wir gehen aus 009Silence is Violence 010On a Cloud 011Nous ne serons plus rien 012Un voyage 013doux au touche 014Here comes the rain again (Eurythmics Cover) 015Der Mond lacht 016Warm und Grau 017In jedem seiner milden Blicke 018Wintercoat 019Human Love 020Any other Mirror 021Uncle Mother's 022Detonate (feat. M.O.P.) 023I hope 024David 025Wrong Hand 026Still we guess 027Bay of Pigs (detail)]

→Nimm' ein Mixtape, Baby!←

KALTER HUND.

Blickdicht, Strumpfhosen, überall Menschen. Öl auf Holz, nasse Pendler atmen in oder aus ihre(n) Anzeigegeräte(n).

Ein Bett aus Tannenzweigen: Zwei etwa unterarmdicke, knapp mannshohe Äste suchen, ebenso wie etwa 8 bis 10 etwas dünnere, schulterbreite. Zwischen zwei Bäumen, es sollte Platz genug für ein Bett zwischen ihnen sein, die Äste als Leiter auf den Boden liegend aufbauen. Die Längeren bilden die unterste Schicht. Obenauf drei bis vier dichte benadelte Zweige einer jungen Tanne. Ein Tuch auf dieses Bett aus weichen Nadeln und eines als spitzes Zeltdach auf einer Leine, die zwischen den beiden Bäumen gespannt ist. Abspannen, falls es nach Regen aussieht.

Es ist ein Kleidungstück wie jedes andere auch, so ein Stadtteil, Farbe und Fäden, Putz und Straßen. Ich schiebe Hände durch die Ärmel. Flammende Handinnenflächen. Mein Mittelfinger ist lang, er und seine Nebenbuhler, die flache Hand ansetzen. Ihr Schoß, ihre Augen, ihr Atem, sprüht Leben, sind geschlossen zittrige Wimpern, geht tief und fest und stolz. Meine Finger kleben Zucker, dein Mösensaft, verschmiert für dich und mich.

merken (Überschrift)
Bus fahren. Nasse Fassaden wie verheultes Make-Up. Sitzen, stehen, die Augen offen, fokusierend einen Fixstern suchen, seltsam sein, im Wald laufen, gehen in einer Geschwindigkeit, man könnte meinen, ich fürchte mich, ich rausche. Oh, nasse Waldböden, qutscht — sich legen lassen liegt nage, die Hände reiben, hineinatmen, den Kopf heben, in den Nacken legen, fürchterliche Falten bilden, vom Förster gefunden werden, das Bett Federwolken im Orangerot des Sonnenaufgangs gemacht.

Kein Taxifahrer nimmt die Tour an. Ich solle stornieren. Bitte nachschieben. Die Bürgersteige unterm Fuße, schwer kopfnickenden Hip-Hop auf den Ohren, kein Mensch auf den Straßen, nicht mal mehr ein einsamer Hundeführer, die S-Bahn, die mit roten Lichtern am Ende, verpassen, beschließen über die Felder zu gehen. Schon der erste Schritt aus dem Schutz der Straßenlaternen hinaus ist eine Befreiung, eine die zunächst einmal Angst ist, eine Angst, die die Kopfhörer abzieht, weil man alles genau hören will, vorbereitet sein möchte, was irrational ist, zum Gegenangriff. Es ist stockdunkel, kahl, unklar und erstaunlich warm für November, wenn man einmal läuft. Das Rauschen der nahen Autobahn schwillt an und ab wie das der Wellen am Meer. Der Lichtschmutz der Großstadt, dieser Kegel überm Dunkel zeigt mir den Weg den meine Füße nicht erkennen. Es könnte Stolpern sein, doch der viel geübte Schritt hält, vorbei an den eingezäunten Apfelbäumen, den einsam einzeln liegenden Datschen, die zu keiner Kleingartenkolonie gehören wollen, den Pflaumenbäumen, den quergestreiften Felderm die einst im Frühjahr Raps trugen. Vorbei an der Kastanienallee, die zurückgeschnitten gehört, so aber viel trotziger aussieht und wunderschön den klitzekleinen Friedhof im Sommer in ihren Schatten stellte. Vorbei an allerlei Müll, die Augen haben sich mittlerweile ans Dunkel gewöhnt, orientiere ich mich immer wieder am Lichtschmutz der Stadt. Zurück nach Hause, dabei bin ich es doch hier.

Es müsste mal frieren, kalter Hund.